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Archiv der Kategorie Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen

Erinnerung vor den Türen der Häuser

Stadtrundgänge - Jeder Stolperstein ein Leben

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen des Gelsenzentrum e.V. bietet ab Frühjahr 2012 kostenlose Stadtrundgänge für Schulklassen, Einwohner und Gäste der Stadt entlang der in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine an. Bei den Stadtrundgängen “Jeder Stolperstein ein Leben” wird das von dem Künstler Gunter Demnig ins Leben gerufene Erinnerungs-Projekt Stolpersteine und die Bedeutung des Projekts für die lokale Erinnerungskultur erläutert.

Die Stolpersteine für Menschen, die von den Schergen des NS-Terrorregime gedemütigt, entrechtet, verfolgt und schlussendlich ermordet wurden, werden vor den Türen der Häuser verlegt, in denen die Menschen einst lebten. Und genau dort werden bei den Rundgängen die persönlichen Lebens- und Leidensgeschichten der Menschen erzählt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhalten so die Möglichkeit, sich mit konkreten und realen zeitgeschichtlichen Ereignissen aus ihrer unmittelbaren Lebensumfeld auseinandersetzen.

Info und Anmeldung

Zwei Lieben - Lesung mit Rainer Vollath in Gelsenkirchen

“Uns haben sie einfach vergessen…” - schwule Männer als Opfer des NS-Terrors und in der jungen Bundesrepublik

Lange blieb das Schicksal schwuler Männer und deren Verfolgung in der Zeit zwischen 1933 und 1945 im Verborgenen. Der berüchtigte Paragraph 175, der homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, galt in der während der nationalsozialistischen Terrorherrschaft verschärften Version unverändert in der Bundesrepublik Deutschland - bis zum Jahr 1969.

Der Autor Rainer Vollath hat sich in seinem Buch “Zwei Lieben” diesem verdrängten Kapitel deutscher Geschichte gewidmet. Am Freitag, den 30. März 2012 liest er um 19 Uhr im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen, Florastraße 26, aus seinem zeitgeschichtlichen Roman “Zwei Lieben”.

Möglich wurde diese Lesung durch eine Kooperation des Vereins Rosa Strippe, der in Bochum die zweitgrößte psychosoziale Beratungsstelle für Lesben, Schwule und deren Angehörige in NRW betreibt und der Projektgruppe STOLPERSTEINE des Gelsenzentrum e.V. in Gelsenkirchen. Beide Initiativen widmen sich schon seit langem der Erinnerung an die Verfolgten des Nationalsozialismus. Auf Initiative der Rosa Strippe e.V. hat der Künstler Gunter Demnig im Februar in Dortmund einen weiteren Stolperstein für ein schwules Opfer des Nationalsozialismus verlegt. Auf Initiative der Gelsenkirchener Projektgruppe wird dort im September ein Stolperstein für einen verfolgten schwulen Mann dazukommen. Die Recherchen für die Stolpersteine stammen von Jürgen Wenke, der seit langem die Lebensgeschichten schwuler Männer während der NS-Zeit erforscht und der am 30. März auch von seiner Arbeit berichten wird.

In einem Interview hat der 1966 geborene Autor Rainer Vollath über seine Beweggründe gesprochen, “Zwei Lieben” zu schreiben. Er habe das Buch wider das Vergessen schreiben wollen: “Ich wünsche mir, dass das Leben und Leiden der verfolgten Schwulen im Nationalsozialismus, aber auch in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik der Nachwelt im Gedächtnis bleibt”, so der Autor weiter. So erzählt er die Lebensgeschichte von Fritz Weiss, der als 28jähriger im Berliner Tiergarten von der Gestapo verhaftet wird und daraufhin sieben Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Flossenbürg inhaftiert bleibt.

Und der Roman erzählt nicht nur die Geschichte der Homosexuellenverfolgung in Deutschland während der nationalsozialistischen Diktatur. Er erzählt eben “Zwei Lieben” und auch von der Kriminalisierung und Verfolgung von schwulen Männern in der jungen Bundesrepublik bis hin zur Schwulenbewegung der 1970er Jahre. Sie ging einher mit der Strafrechtsreform, die erst 1969 -24 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges und der Terrorherrschaft unter dem Hakenkreuz den berüchtigten Paragraphen 175 wieder entschärfte. Die vom nationalsozialistischen Regime verschärfte Fassung, die männliche Homosexualität unter Strafe stellte, galt eben auch in der jungen Bundesrepublik unverändert weiter, wollte man darin doch kein spezifisch nationalsozialistisches Unrecht erkennen. Und die Geschichte dieses Paragraphen endete erst 1994 nach dem Beitritt der Länder der ehemaligen DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes, nach der Wiedervereinigung Deutschlands.

Der Eintritt zur Lesung ist frei. Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine Gelsenkirchen wird gebeten.

Informationen erhalten Interessierte auch unter www.rosastrippe.de oder www.stolpersteine-gelsenkirchen.de

Quelle: Pressemitteilung der Rosa Strippe

NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04

Stolpersteine in Gelsenkirchen - Gegen das Vergessen

Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die ersten Gedenksteine werden im Herbst 2012 verlegt.

Die Projektgruppe Stolpersteine hat Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und der Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen fand im Juni statt. Eine abschließende Antwort des Vereins steht derzeit aber noch aus.

Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, “verabschiedete” auch der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere “nichtarische” Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits “freiwillig” verlassen hatten. Leopold “Leo” Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.

Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So “kaufte” Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte “Arisierung” fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: “Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat.

Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunternehmers Max Ferse günstig “erwerben”. Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.

Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskriminierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander sind noch nicht abgeschlossen.

→ Stolpersteine Gelsenkirchen

Erinnerung an die “Nacht der Schande”

Gedenkveranstaltung in Gelsenkirchen

Ihren Auftakt nahm die Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der so genannten “Reichskristallnacht” an einem der Erinnerungsorte in Gelsenkirchen - die Erinnerungsorte sind ein Projekt der “Demokratischen Initiative” - am Südeingang des Hauptbahnhofs. Hier erinnert eine Tafel an die in der NS-Zeit aus Gelsenkirchen verschleppten und zum überwiegenden Teil ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen. Professor Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadt-geschichte betonte in seiner Ansprache, dass man auch in Zukunft weitere “Erinnerungsorte” errichten werde. Die Route des anschließenden Marsches “Gegen Hass und Gewalt” der “Demokratischen Initiative” zum Gedenken an die Opfer der so genannten “Reichskristallnacht” sorgte bei einigen TeilnehmerInnen für Verwunderung.

Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Veranstalter mit der gewählten Marschroute den im Bereich der Gelsenkirchener Innenstadt verlegten Stolpersteinen, die dort an das Leben, die Verfolgung und die Ermordung jüdischer Menschen erinnern, ausweichen wollten. Nach einem Halt an der Grasreiner/Klosterstraße, dort hielt Oberbürgermeister Baranowski eine Erinnerungsrede, ging es weiter zur Begegnungsstätte “Alter Betsaal” der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen an der Von-Der-Recke-Straße 9. Auch den vor dem gegenüberliegenden Haus verlegten Stolpersteinen, die an das von den Nazis ermordete jüdische Ehepaar Wollenberg erinnern, schenkte keiner der TeilnehmerInnen Beachtung. “Die Stolpersteine erinnern an Orte jüdischen Lebens, sie erinnern an Menschen, die Gewalt und Hass in Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 miterleben mussten, an Menschen, die in den Jahren danach zu Opfern der bis ins letzte Detail durchgeplanten NS-Vernichtungsmaschinerie wurden. Das Verhalten der Verantwortlichen kann ich nicht nachvollziehen” sagte Heike Jordan, Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen.

Bereits im Vorfeld hatte die Stolpersteininitiative öffentlich ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine nicht in die “offizielle” Gedenkveranstaltung der Stadt einbezogen werden. Auf die Frage nach dem “Warum” wollten am Abend weder Oberbürgermeister Baranowski in seiner Eigenschaft als Schirmherr der veranstaltenden “Demokratischen Initiative” noch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, eine Antwort geben.

→ Stolpersteine Gelsenkirchen - Gemeinsam gegen das Vergessen

9. November 2011 - Gedenken an die Pogrome in der “Kristallnacht”

Gedenken der Toten und der Lebenden

Am 9. November 2011 jährt sich zum 73. Mal die so genannte “Reichskristallnacht”. Die Ereignisse in dieser Nacht markierten einen weiteren Höhepunkt der stetig zunehmenden Diskriminierung der Juden im Alltag. Auch in Gelsenkirchen brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen und Geschäfte, waren Menschen jüdischer Herkunft brutaler Gewalt ausgesetzt, wurden erniedrigt, gedemütigt, vergewaltigt, verhaftet und verschleppt. Wie viele von ihnen später an den Folgen der erlittenen Misshandlungen oder den Haftfolgen starben, ist heute nicht mehr feststellbar.

In unserer Stadt erinnern 28 von 41 bisher verlegten Stolpersteinen an die Leidenswege und die Ermordung jüdischer Menschen durch das NS-Regime. “Jeder dieser 28 Stolpersteine erinnert an einen Menschen, der auch von den Angriffen gegen Leib und Leben in der Pogromnacht betroffen war. Wir hätten uns gewünscht, dass die Stolpersteine mit in die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gelsenkirchen einbezogen worden wären, führt doch die Wegstrecke des von der “Demokratischen Initiative” geplanten Schweigegangs auch an einigen Stolpersteinen vorbei” so die Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen, und weiter: “Wir rufen Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger auf, an den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen am Abend des 9. November Kerzen aufzustellen und zu entzünden”.

Von den Gelsenkirchener Juden, die den 9. November 1938 miterleben mussten, haben die wenigsten den Holocaust überlebt. Die Leidenswege der hochbetagten Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie, die heute weltweit verstreut leben, sollen am 9. November im Mittelpunkt unseres Gedenkens stehen. “Die zum Leben Verurteilten sind die wahren Opfer des Holocaust. Die Toten sind schon zur Ruhe gekommen” sagte einst die Holocaust-Überlebende Batja Gurfinkel, “Der Schmerz wird mit den Jahren nicht weniger, eher stärker.”

Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

→ Gedenken und Erinnern an die Opfer der so genannten “Reichskristallnacht”

Stolperstein-Initiative erinnerte an “Polen-Aktion”

Nur wenige Teilnehmer bei Gedenkveranstaltung

Gelsenkirchen. Nur einige wenige Menschen nutzten die Chance, am Freitag Abend jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen.

Die örtliche Stolperstein-Initiative erinnerte zum Abschluss der diesjährigen Stolperstein-Putzaktion in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse an die so genannte “Polenaktion” , einer großangelegten Ausweisungsaktion von Menschen aus dem deutschen Reichsgebiet, von der am 28. Oktober 1938 rund 17.000 Juden jeden Alters betroffen waren. Daruter befanden sich auch rund 80 Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen. Diese Ausweisungsaktion der Nazis war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Der heute in den USA lebende Herman Neudorf ist der einzige Gelsenkirchener Jude, der von der Ausweisungsaktion noch aus eigenem Erleben berichten kann. Seine Gedanken zum 28. Oktober wurden gestern an der Kolpingstrasse von Heike Jordan, die als Projektleiterin die Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, verlesen.

→ Herman Neudorf: Meine Gedanken zum 28. Oktober 1938

Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

Stolperstein-Putzaktion endet mit Gedenkveranstaltung

Mit der Stolperstein-Putzaktion, die am Freitag den 28. Oktober  um 18:00 Uhr an der Kolpingstrasse an den dort verlegten Stolpersteinen mit einer kleinen Gedenkveranstaltung ihren Abschluß findet, soll auch in diesem Jahr an die Opfer der so genannten “Polen-Aktion” erinnert werden.

Bei der  von den Nationalsozialisten als “Polen-Aktion” bezeichneten Abschiebung wurden am 28. Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 17.000  Juden in das deutsch-polnische Grenzgebiet verschleppt. In Gelsenkirchen waren 80 Juden von der Austreibungsaktion betroffen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte ein ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung der jüdischen Minderheit dar und war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der so genannten “Polen-Aktion” erschoß der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber und um die Welt aufzurütteln einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris. Diese Tat nahmen die Nationalsozialisten bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Vor dem Hintergrund der antijüdischen Novemberpogrome 1938 sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig vergessen.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf.

Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

Dokumentation: → Vertreibung der polnischen Juden aus Deutschland 1938

Siehe auch: → Stolpersteine - Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

Jeder Stolperstein ein Leben

Ein Name kehrt zurück - Friedrich Wessel

Stolperstein für Friederich Wessel, Bochum-Wattenscheid

Die dürren Angaben in den Akten der NS-Verfolgungsbehörden zeichnen dem ersten Anschein nach eine kriminellen Karriere auf, die aber in Wirklichkeit eine Opferkarriere war, denn Friederich Wessel wurde allein wegen seiner Homosexualität verfolgt und ermordet. Im KZ Buchenwald haben ihn die Nazis zur Nummer degradiert. Haben ihn gedemütigt, kahlgeschoren und entpersönlicht, in gestreifte Einheitskleidung gesteckt, mit einem Rosa Winkel als äußerlich sichtbares Zeichen seiner Homosexualität gekennzeichnet. Ständig war er der Willkür und der brutalen Folter seiner Bewacher ausgeliefert, ständig vom Tod bedroht. Als Nummer wurde er schließlich von den Nazis ermordet - in den NS-Akten wird daraus “auf der Flucht erschossen”. Heute gab Gunter Demnig dem in Ückendorf geborene Plakatmaler Friederich Wessel mit der Verlegung eines Stolpersteins an der Sedanstrasse 7 in Bochum-Wattenscheid seinen Namen zurück.

Dokumentation von Jürgen Wenke: → Ein Stolperstein für_FriedrichWessel

Putzaktion für die Stolpersteine

Am 28. Oktober 2011 werden Stolpersteine geputzt

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen läd zur alljährlichen Putzaktion für die bisher in Gelsenkirchen verlegten 41 Stolpersteine ein. Für die Putzaktion 2011, die am 28. Oktober stattfindet, werden noch Helferinnen und Helfer  gesucht.

Anlass für die Putzaktion, die in diesem Jahr wieder am 28. Oktober stattfindet, ist das Gedenken und Erinnerung an die so genannte “Polenaktion” am 27./28. Oktober 1938. In diesen Tagen wurden fast 18.000 jüdischen Bürger mit polnischer Staatsangehörigkeit verhaftetet und von Deutschland nach Polen ausgewiesen, darunter fast 80 Menschen aus Gelsenkirchen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte einen ersten Höhepunkt der physischen Judenverfolgung dar und war der Auftakt zur geplanten Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der “Polen-Aktion” erschoß der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber in Paris einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft. Dieses Attentat nahmen die Nazis bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome (sogenannte “Reichskristallnacht”) in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren.

Beteiligung von Schulklassen

Die Putzaktion der Stolpersteine stellt eine pädogisch wertvolle Möglichkeit zur Auseinandersetzung mit der NS-Terrorherrschaft für Schulklassen dar. Beteiligte Schülerinnen und Schüler finden so bereits im Vorfeld über die Biografien und Leidenswege der ermordeten Menschen einen ganz direkten Zugang zur lokalen NS-Geschichte. Für die Putzaktion 2011 sind Helferinnen und Helfer herzlich willkommen! Interessierte wenden sich bitte bis zum 15. Oktober 2011 an die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen unter Telefon: 0209-9994676 oder per Email an: Heike Jordan, Projektleiterin

Stolpersteine gegen das Vergessen

Verlegungen am 20. August 2011 in Gelsenkirchen

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen lädt herzlich ein: am Samstag, den 20. August, werden weitere Stolpersteine in Gelsenkirchen verlegt. Die Verlegungen beginnen vor dem Grundstück Im Bahnwinkel 10 gegen 11:00 Uhr. Dort wird ein Stolperstein für den als  Zeuge Jehovas verfolgten Robert Mäusert verlegt. An der Polsumer Strasse 158 wird für Astrid “Iri” Steiner verlegt. Die kleine Astrid wurde wegen ihrer Behinderung Opfer der NS-Psychatrie, Verlegung des Stolpersteins gegen 11:20 Uhr. An der Königsgrätzerstrasse 20 wird für Wilhelm Gorny, der ebenfalls Angehöriger der Religionsgemeinschaft der  Zeugen Jehovas war,  gegen 11:40 Uhr verlegt und an der Essener Strasse 71 für den Widerständler Andreas Schillack jun. gegen 12:10 Uhr. Alle genannten Zeitangaben sind Richtwerte, planen Sie bitte Abweichungen von ca. +/- 15 Minuten ein.

→ www.stolpersteine-gelsenkirchen.de