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Archiv der Kategorie ... über den Tellerrand

70. Jahrestag der Deportationen von Gelsenkirchen nach Riga

27. Januar 1942 - der erste Deportationszug mit Ziel Riga verlässt Gelsenkirchen

“Es ist schwer zu sagen, wer das bessere Los gezogen hat. Denn selbst die wenigen, die schließlich überlebt haben, auch sie sind für ihr Leben gezeichnet. Sie haben jeder für ihr ganzes restliches Leben noch an dem zu tragen, was sie seelich und körperlich dort erlitten haben.”

Am 27. Januar 1942 rollte der erste “Sammeltransport” mit Kindern, Frauen und Männern jüdischer Herkunft von Gelsenkirchen Richtung Osten. Bestimmungsort der Menschenfracht war das Ghetto Riga. 359 Gelsenkirchener Juden wurden in die zum “Sammellager” umfunktionierten Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz unter unmenschlichen Bedingungen eingepfercht. Auch Juden aus umliegenden Revierstädten wurden nach Gelsenkirchen transportiert.

Die Gelsenkirchener Jüdin Helene Lewek wählte in der Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz angesichts der bevorstehenden Deportation die Flucht in den Tod. Auf dem Weg nach Riga wurden weitere Menschen an verschiedenen Haltepunkten - u.a. in Dortmund und Hannover - in den Zug gezwungen. Der Deportationszug der Deutschen Reichsbahn erreichte schließlich mit etwa 1000 Menschen am 1. Februar 1942 Riga in Lettland.

Der überwiegende Teil der aus Gelsenkirchen und anderen Städten am 27. Januar verschleppten Juden wurden im Ghetto Riga oder in Konzentrationslagern ermordet. Zu den wenigen, die oftmals als Einzige ihrer Familien den Holocaust überlebt haben, gehören Rolf Abrahamsohn, Bernd Haase, Herman Neudorf und Elli Kamm, geborene Diament. Sie schildern hier, wie sie die Deportation aus Gelsenkirchen und die Ankunft in Riga erlebt haben.

Rolf Abrahamsohn

Der heute 86jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl erinnert sich:

“Am Morgen des 24. Januar um sieben Uhr wurden wir in Recklinghausen lebenden Juden aus den Häusern geholt. Wir standen bis nachmittags um vier auf der Straße, bevor man uns mit Lastwagen nach Gelsenkirchen zur Ausstellungshalle am Wildenbruchplatz brachte. Am 27. Januar verließ der Deportationszug mit einigen hundert Juden aus Gelsenkirchen, Recklinghausen und weiteren umliegenden Orten die Stadt. Man hatte uns gesagt, dass wir in ein Arbeitslager kämen, damals habe ich das noch geglaubt. Im Zug war es tagsüber sehr heiß und nachts eiskalt - das war unser Glück. So konnten wir wenigstens das gefrorene Wasser von den Fenstern ablecken, damit wir nicht ganz verdursten.

Als wir am 1. Februar in Riga am Bahnhof Skirotava ankamen, wurden wir mit Gebrüll und Schlägen von der SS empfangen. Wir sollten einige Kilometer bis ins Ghetto Riga laufen, den Schwachen bot die SS scheinheilig eine Fahrt auf LKW dorthin an. Was die Menschen, die auf die LKW stiegen, nicht wussten: das war praktisch schon eine erste Selektion. Sie brauchten uns ja als Arbeiter. Wer nicht laufen konnte, konnte nach der Logik der SS auch nicht arbeiten und so fuhren die LKW mit ihrer Menschenfracht direkt zu den Erschießungsstätten im Wald von Bikernieki.”

Bernd Haase

Bernd Haase aus Gelsenkirchen, der heute 85jährig in den USA lebt, erzählt:

“Im Dezember 1941 wurden meine Mutter, meine Schwester und ich aufgefordert, unsere Habseligkeiten für eine Umsiedlung nach Osten zusammenzupacken. Wir kennzeichneten unsere Möbel und packten Bettzeug und Kleidung in Rucksäcke. Am Abreisetag packten wir noch Butterbrote ein. Es kam ein Bus und brachte uns vom “Judenhaus” an der Bochumer Straße zur Gelsenkirchener Ausstellungshalle. Für unsere Nachbarn fuhren wir äußerlich normal weg. In der Ausstellungshalle mussten wir dann wie Tiere auf dem strohbedeckten Boden liegen.

Nur ein kleiner Zwischenfall: Es hatte geschneit und das Auto von einem der Nazi-Bonzen kam nicht weiter. So mussten ich und ein paar Andere den Wagen bis zur Arminstrasse schieben. Doch fühlte ich mich für eine halbe Stunde frei. Am fünften Tag, früh am Morgen, mussten wir durch Schnee und Dunkelheit zum Güterbahnhof marschieren. Dort schickte uns die Gestapo in einen Personenzug, brüllend und Peitschen schwingend. Wir wurden durchsucht und unser Geld und andere Wertgegenstände wurden uns weggenommen. Wir hatten unsere Rucksäcke mit im Zugabteil, unsere Koffer und die Haushaltsgegenstände wurden in einen angehängten Waggon gepackt. Dieser Wagen wurde später abgekoppelt und sein Inhalt an Fremde verteilt. Langsam verließ der Zug Gelsenkirchen. In Dortmund wurden weitere Waggons angehängt.”

Elli Kamm, nee Diament

Elli Kamm starb 2002 im Alter von 76 Jahren in den USA. Sie erzählte:

“Im Januar 1942 pferchten sie uns zusammen in Gelsenkirchen einem großen Warteraum und steckten uns dann in Züge. Der Transport ging nach Riga, in Lettland. Die Züge waren sehr kalt. Ich weiß nicht mehr genau, es waren fünf Tage, sechs Tage. Es war so kalt. Einigen Leuten erfroren die Finger, die Zehen, die Füße, es war schrecklich. Wir hörten die Flugzeuge, es gab Schiessereien, Bombardierungen, aber jedenfalls kamen wir Ende Januar, Anfang Februar bei Riga an. Der Ort hieß Skirotava. Es fror, es war kalt.

Und denken Sie daran: Bevor wir Deutschland verließen, sagten sie uns, wir könnten nur so und so viel mitnehmen. Wir zogen zwei Unterhemden, drei Pullover, drei Blusen, drei, vier Unterhosen an, so dass, wenn sie uns das Gepäck wegnehmen würden, wir immer noch das hätten, was wir am Körper hatten und so die Möglichkeit hätten, eine Zeit lang zu wechseln. Als wir in Skirotava ankamen und die SS da stand, ich denke, Obersturmführer Lange war sein Name und einige Andere. Mit Hunden und Schnee bis zum Hals und sie schrien: “Raus, raus, raus!” Das war einfach schrecklich, ich meine so ein Chaos. Es war unglaublich. Sie befahlen uns, zu dritt oder zu viert da zu stehen und dann abzumarschieren.”

Herman Neudorf

Herman Neudorf, geboren in Horst-Emscher lebt heute in den USA, erzählt:

“Am 20. Dezember 1941 erhielten wir von der Gestapo, Staatspolizeistelle Gelsenkirchen, die erste Aufforderung: ‘Sie haben sich auf einen Transport zum Arbeitseinsatz nach dem Osten vorzubereiten. An Gepäck darf 10 RM mitgenommen werden. Die Fahrtkosten sind selbst zu entrichten - natürlich einfach, eine Rückfahrt war ja nicht vorgesehen. Vorbereitungen wurden getroffen. Medikamente, Frostschutzmittel, Winterkleidung, warme Decken und so weiter beschafft. Am 20. Januar 1942 kommt wieder ein Schreiben: ‘Sie haben sich zum Transport nach dem Osten in den nächsten drei Tagen bereitzuhalten.’ Nun ist es soweit.

An einem Januarmorgen um 10 Uhr morgens wurden wir von der Gestapo aus dem “Judenhaus” an der Markenstraße in Horst abgeholt und in einen Autobus verfrachtet, mit je einem Koffer. Im nu sammelte sich um das Auto eine Anzahl Schulkinder. Auf ihre neugierige Frage, wohin wir fahren, antwortete der Gestapo-Chauffeur: ‘Zur Erholung in ein Sanatorium.’ Am Sammelplatz schliefen wir eine Nacht am Boden und am nächsten Tag wurden wir verladen. Es war der 27. Januar 1942. Aber diese Mörder wußten zu gut, wohin unsere Fahrt führt. Hoher Schnee mit ca. 25 Grad Kälte. Der Zug stand bereit. Ungeheizt. Am Ende des Zuges wurden drei Wagen mit unseren Koffern, Verpflegung und Küchengeräten angehängt. Dann fuhren wir ab. Türen natürlich abgeschlossen. Vor Hannover erfuhren wir, daß die letzten Wagen “heißgelaufen” waren und abgehängt werden mußten. Nun besaßen wir nur noch das, was wir am Leibe trugen. Sechs Tage Fahrt durch Ostpreußen, Litauen, Lettland. Aborte verstopft, die Abteilwände mit einer Eisschicht überzogen.

Am 1. Februar erreichten wir unsere neue “Heimat”, der Transport hielt am Bahnhof Riga-Skirotava. Auf uns warteten schon SS-Leute in dicken Pelzmänteln. Sie trieben uns mit Schlägen, Beschimpfungen und Gebrüll aus dem Zug. Die Glieder waren noch starr vor Kälte. Zum Teil mit Autos oder zu Fuß ging es ab. Ungefähr drei Stunden Marsch. Lettische Wachen hüteten uns sorgfältig und rissen einigen gute Kleidungsstücke vom Leibe herunter. Ein mit Stacheldraht umgebener Stadtteil tauchte auf. Personen mit gelben “Judensternen” konnte ich erkennen. Das war also das Rigaer Ghetto, das uns allen ewig in Erinnerung bleiben sollte. Oft wundert man sich selbst, dass man diese schrecklichen Jahre, die noch folgten, überhaupt überleben konnte.”

Mehr auf www.gelsenzentrum.de :
Den Holocaust überlebt - Menschen aus Gelsenkirchen berichten

182 Menschen wurden Opfer rassistischer Gewalt

Gegen das Vergessen

Dieses Video ist den 182 Menschen gewidmet, die von 1990 bis 2010 rassistischer und rechtsextremer Gewalt zum Opfer fielen. Sie wurden von Rechtsextremen ermordet, weil für sie im Weltbild der Nazis kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, menschenverachtenden Nazi-Parolen zu widersprechen, andere, weil sie Zivilcourage gezeigt haben. Einige der Morde bewegten die Öffentlichkeit, die meisten wurden jedoch kaum von der Zivilgesellschaft zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten.

Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht!

Online-Kampagne gegen Rechtsextremismus nimmt Fahrt auf

Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht - unter diesem Motto findet derzeit im sozialen Netzwerk Facebook eine Aktion gegen Rechtsextremismus statt. Die Online-Aktivisten des Netzwerks gegen Rassismus und Extremismus in Gelsenkirchen haben die Aktion, die sich rasend schnell im Netz verbreitet, am 14. Dezember gestartet. Nach nur 24 Stunden nehmen bereits mehr als 300 Internet-Nutzer an einer virtuellen Menschenkette teil.

An der virtuellen Menschenkette teilnehmen

Mehr: Virtuelle Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Rassismus

Mehr: Die Aktion bei Facebook

Virtuelle Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Rassismus

Zeige deinen Freunden, dass du dich in die Menschenkette einreihst - füge dieses PicBadge zu deinem Facebook-Profilbild hinzu! Einfach das Picbadge anklicken, der Anleitung folgen - das neue Profilbild auf Facebook verwenden - fertig!

Volksverhetzung - Nazishop durchsucht

Auch Webseite nicht mehr erreichbar

Nach einer Strafanzeige des “Netzwerk gegen Rassismus und Extremismus Gelsenkirchen” wegen Volksverhetzung durchsuchte die Berliner Polizei am 22. November die Geschäftsräume des rechten Versandhandels “Reconquista”. Der Internetshop bot unter anderem ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Killer Döner nach Thüringer Art” an. Verantwortlich laut Impressum: Dirk Bernt und André Reinecke. Derzeit ist der Versandhandel, der sich in der rechten Szene großer Beliebtheit erfreute, auch im Web nicht mehr erreichbar.

Rechtsrock-Band “Kategorie C – Hungrige Wölfe” plant Konzert

Auftrittsverbot auch in NRW?

Hatte die die rechtsextreme Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ jüngst noch ein Auftrittsverbot in Bremen kassiert, lädt die rechte Kapelle auf ihrer Webseite jetzt zu einem Konzert “im Ruhrpott” ein, dass am 10. Dezember stattfinden soll. Ohne eine konkrete Ortsangabe wird das Konzert höchst konspirativ vorbereitet, Teilnehmer erhalten über zwei Mobilfunkrufnummern kurzfristig Infos zu Treffpunkten, um dann von dort zum eigentlichen Veranstaltungsort zu gelangen.

Mehrfach sind in der Vergangenheit Konzerte der rechtsextremen Band verboten worden. In der jüngsten Verbotsbegründung des Stadtamtes in Bremen heißt es u.a. sinngemäß: “Das in den Liedtexten enthaltene rechtsextremistische Gedankengut ist geeignet, verfassungswidrige Assoziationen beim Publikum hervorzurufen oder aber zu steigern“ und weiter: “Das Abspielen rechtsextremistischer Musikstücke ist ein bedeutsames Medium zur Verbreitung rassistischen und nationalsozialistischen Gedankenguts und dient zu dessen Verfestigung und Stabilisierung”. Die Entscheidung wurde vom Oberverwaltungsgericht Bremen bestätigt: “Das Oberverwaltungsgericht ist der Auffassung, dass bei Durchführung des Konzerts die konkrete Gefahr besteht, dass es zur Verletzung von Strafvorschriften kommt. Es müsse damit gerechnet werden, dass insbesondere von den Konzertbesuchern solche Rechtsverstöße ausgingen (Hitlergruß etc.). Das belegten Verstöße aus der jüngsten Vergangenheit. Das hochkonspirative Vorgehen der Konzertveranstalter entziehe die Veranstaltung jeglicher Kontrolle und dränge die Schlussfolgerung auf, dass das in der Vergangenheit gezeigte Verhalten fortgesetzt werden solle (…). Bleibt zu hoffen, dass man in NRW den Ausführungen im Beschluss des OVG Bremen folgt und ebenfalls ein Verbot für das geplante Konzert ausspricht.

Nazis fallen nicht einfach vom Himmel

Und plötzlich waren sie da, die Nazis

Und plötzlich waren sie da, die Nazis.

Deutschland ist schockiert.

Der Bundestag tagt und beschließt überfraktionell ein Papier gegen Rechtsradikalismus.

So etwas darf nie wieder passieren. Man ist sich einig.

Dönermorde?

Mafiageschäfte?

Russenmafia?

Türkengangs?

Vergessen. Man kann ja mal daneben liegen. Für was hat man denn auch einen Verfassungsschutz?

Es ist wie 1945.

Plötzlich waren die Nazis da.

Davor hat sie ja anscheinend niemand gesehen.

Die Hakenkreuze auf unseren Friedhöfen, die Glatzköpfe auf den Straßen, die Kommentare auf der Straße: anscheinend werden diese Signale von der Mehrheitsbevölkerung nicht wahrgenommen?

Was wir nicht brauchen, ist ein Aktionismus - wer erinnern uns: Fukushima? Klimaerwärmung? Sarrazin? Morgen schon wieder vergessen.

Während Deutschland über den Nazi-Terrorismus schockiert ist -
sendet das ZDF eine Sendung über den “Wüstenfuchs Rommel”.

Man diskutiert, ob er vielleicht doch ein Widerstandskämpfer gewesen sei.

Mehr muß man doch nicht über dieses Thema sagen.

Deutschland. 2011.

Man könnte schreien.

Autor: Immer wieder Freitag

Feierstunde: Rolf Abrahamsohn ausgezeichnet

Marler wird “Vestischer Ehrenbürger”

Landrat Cay Süberkrüb überreichte gestern im Kreishaus Recklinghausen die Verleihungsurkunde an Rolf Abrahamsohn. “Zur öffentlichen Anerkennung und Ehrung ihrer langjährigen Verdienste zum Wohle und Ansehen des Kreises Recklinghausen verleihen wir Ihnen die Auszeichnung “Vestischer Ehrenbürger” sagte  der Landrat, als er die Urkunde  an Rolf Abrahamson übergab. Stehend applaudierten die geladen Gäste dem 86jährigen aus Marl, der als einzigster seiner Familie den Holocaust überlebte.

Rolf Abrahamsohn wird Vestischer Ehrenbürger

Die Laudatio auf Rolf Abrahamsohn hielt Sr. Johanna - Ruth Eichmann, eine enge Freundin von Rolf Abrahamsohn. Sie fand warme und bewegende Worte, die den alten Herren sichtlich berührten. In seiner Dankesrede betonte Rolf Abrahmsohn, wie sehr es ihn sein Leben lang schmerzt, dass er den Kindern, die mit ihm  im KZ waren, damals nicht hat helfen können. “G’tt hatte wohl damals Urlaub, sonst wäre all das Morden und Verbrennen nicht geschehen” sagte Abrahmsohn mit dem ihm so eigenen Humor, und weiter:  “Das alles, was ich erlebt habe , kann man nur erzählen mit etwas Humor  - sonst wird man verrückt”.

Rolf Abrahamsohn hält seine Dankesrede im Kreishaus Recklinghausen

Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Engländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. “Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl ” sagt Abrahamsohn nachdenklich. Man spürt, dass er seinen damaligen Entschluss zu bleiben, auch schon so manches mal bereut hat.

Rolf Abrahamsohn spricht im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen

Video: “Alles weiß Ich noch… und das ist das Schlimme daran”

Fotos Heike Jordan, Gelsenzentrum e.V.

Höß-Enkel als Lügner entlarvt

Er hat sie alle getäuscht
Rainer Höß in Auschwitz: “Ich bin mit dem Holocaust aufgewachsen”.  Photo: Eldad Beck

“Das ist mein Reich” - Mit diesen Worten betrat Rainer Höß bei seinem Besuch 2009 im KZ Auschwitz den Bereich des Lagergeländes, auf dem die Villa des Kommandanten von Auschwitz, Rudolf Höß, steht. Begleitet wurde er seinerzeit von dem israelischen Reporter Eldad Beck, aus dessen Familie zahlreiche Angehörige in der Shoa ermordet wurden.

Rainer Höß ist der Enkel von Rudolf Höß, dem Kommandant und Gründer des Vernichtungslagers Auschwitz. Höß war breits 2009 in die Schlagzeilen geraten, als er vergeblich versuchte, eine Kiste mit Fotos und Dokumenten aus dem Nachlass seines Großvaters an die Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem zu verkaufen.

Der Journalist Eldad Beck, Korrespondent der größten iraelischen Tageszeitung “Yediot Ahronot” (Tel Aviv) hat jetzt in einem Artikel  seine Recherergebnisse über die Machenschaften des Höß-Enkels veröffentlicht. Der angebliche, selbsternannte Aktivist gegen “Rechts” entpuppte sich als Lügner und Fantast, getrieben von seiner Geldgier. Auch in der Folgezeit nach seinem Auschwitz-Besuch versuchte Rainer Höß auf perfide Art und einem Gespinst aus Lügen Mensch zu täuschen und aus dem Leid von Millionen im Holocaust ermordeter Menschen Kapital zu schlagen. Damit ist es nun vorbei.

Der Stachel des Holocaust

Von Eldad Beck, Berlin

Es begann als unschuldige Online-Korrespondenz.

Eines Tages, vor etwa sechs Monaten bekam Rena Jacob aus Wertheim, einer Stadt im südlichen Deutschland, eine Freundschaftsanfrage auf Facebook, von einem Mann, den sie vorher nicht kannte. Frau Jacob, sie ist Anfang sechzig und in vielen Fragen im Zusammenhang mit NS-Vergangenheit hier in Deutschland engagiert. Sie nahm sich die Zeit, um die Anfrage des Rainer Höß, der Enkel von Rudolf Höß (Kommandant und Gründer des Vernichtungslager Auschwitz) zu überprüfen. “Ich sah erst nach, was er so veröffentlicht auf seiner Pinnwand, hier auf Facebook”, sagte Rena. “Dann schickte er mir eine Nachricht, die von seinen Aktivitäten gegen die extreme Rechte erzählte. Dies beeindruckte mich, allein schon wegen seiner familiären Vergangenheit und ich war neugierig, weil er so viel Engagement zeigte. Ich bestätigte seine Facebookanfrage und wir korrespondierten mehrere Monate, nicht intensiv, nur hin und wieder. “

Rena Jacob hat eine recht komplizierte Lebensgeschichte. Sie ist in Folge einer verbotenen Beziehung, innerhalb der eigenen Familie, geboren. Ihr Großvater, ein sehr engagiertes Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, war in der Zeit des Nationalsozialismus, politisch verfolgt, hatte verschiedene Konzentrationslager innerhalb von elf Jahren überlebt, er war auch ihr Vater. Dass dies unter den ‚Teppich’ gekehrt wurde, versteht sich von selbst. Nach dem Tod ihrer Mutter, die an Tuberkulose starb, wuchs Rena J. bei den Großeltern auf und sie erlitt jahrelangen sexuellen Missbrauch durch den Großvater bzw. Vater. Als ihr bewusst wurde, dass seine Handlungen Unrecht waren, bedrohte sie ihn mit einem Messer, so wagte er sich nicht mehr sich ihr zu nähern. “Ich war einmal ein Opfer und ich werde niemals wieder ein Opfer werden”, erklärt Rena. Aus diesem Grund und wegen ihrer Erfahrungen mit Rainer Höß ist sie fest entschlossen, den Enkel des Kommandanten von Auschwitz in seinem Handeln zu stoppen.

Rena Jacob lernte im Laufe der Jahre schreckliche Dinge nicht zu verstecken, sondern sie eher öffentlich zu machen. Das beinhaltet sowohl ihr Kindheitstrauma, als auch das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte. Dahingehend wurde sie durch ihre Großeltern erzogen. Denn für sie geht es nicht um Schuld, sondern um gesellschaftliche Verantwortung im Hier und Jetzt.

Als der Enkel des Kommandanten von Auschwitz mitbekam, dass Rena J. einen Blog starten wollte, der sich mit Werten der Gesellschaft und Kultur der Erinnerung befassen würde, überredete er sie zu einer gemeinsame Webseite, über die dritten Generation nach der Zeit des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust. “Er sprach eindringlich und schien ihm wichtig zu sein, etwas zu bewirken. Er erzählte mir von seiner leidvollen Kindheit als ‚Enkel’ und seinem Engagement gegen ‚Rechts’ auch verwies auf alle möglichen Arten von Interviews, mit verschiedenen Medien auf der ganzen Welt und ‚seinem’ Film. Er stellte sich als VIP dar. Doch das beeindruckte mich weniger, weitaus mehr interessierte mich sein Engagement und auch seine Kontakte. Diese stellen sich später als Schall und Rauch dar.“

Die Gemeinsame Webseite ‚Wider des Vergessens’, musste laut Rainer H. am 1. Mai d. J., dem Vorabend des Holocaust Memorial Day, fertig gestellt werden, denn auf Kanal 2 des israelischen Fernsehens lief der Dokumentarfilm von Chanoch Zeevi ‚hitlers children’, mit dem Protagonisten Rainer Höß. Dieser Film, spielt für den Enkel des Auschwitzkommandanten, eine zentrale Rolle für seine Pläne für eine bessere Zukunft. Als Rainer Höß vor zwei Jahren Yad Vashem “persönliche“ Gegenstände seines Großvaters zu verkaufen versuchte, lag es auf der Hand, dass seine finanzielle Situation sehr schwierig war, denn nach Erkenntnissen von “Yediot Ahronot”, war er zuvor  im Gefängnis und musste hohe Geldstrafen wegen Urkundenfälschung, Betrug, Diebstahl, und körperlicher Gewalt bezahlen. Frühere Strafen, so scheint es, hatten (leider) keine abschreckende Wirkung auf Höß (46). Er  führte seine kriminellen Tätigkeiten wieder und wieder aus, doch diesmal unter Ausnutzung seines familiären Hintergrunds und die Erinnerung an den Holocaust, die er somit pervertierte.

Kurz nachdem die neuen Webseite ins Netz ging, teilte er seine Pläne Frau Jacob hinsichtlich der Einrichtung einer Stiftung mit. Höß lud Rena J., ihren Sohn David J. (41) sowie ihren Lebenspartner Norbert N. (57) zu sich nach hause ein. Er lebt bei seiner (geschiedenen) Frau in der Nähe von Calw in Baden-Württemberg, dort zeichnete er den Angereisten einen detaillierten Plan zur Errichtung eben dieser Stiftung auf. Unter anderem, so erklärte er ihnen, sollte die Stiftung Reisen für Schüler und Studenten in ehemalige Vernichtungslager finanzieren. Rena J., ihr Sohn und ihr Lebensgefährte wandten ein, dass es besser wäre dahingehend einen Verein zu gründen, denn für die Gründung einer Stiftung benötigt man doch ein relativ großes anfängliches Kapital. Zur Beruhigung der Bedenken der drei, verwies Höß auf Bankunterlagen, die ein Kapital von knapp 10.000.000 €  (Zehn Millionen) auswiesen, der sich auf den “Nachlass von Rudolf Höß”  bezog – also jene persönlichen Effekte, die er an Yad Vashem zu verkaufen versuchte. Rainer Höß fügte hinzu, dass es kein Problem für ihn sei, sogar 50.000.000 € von arabischen Bekannten für diese Stiftung erhalten.

Dies erschien Rena Jacob und ihren Begleitern doch etwas zu phantastisch und es regte sich der erste Verdacht, dass diese Angelegenheit wenig real ist. Doch der Kontoauszug, den Höß Rena Jacob zusandte und wie oben erwähnt ein Guthaben von 9, 75 Millionen Euro auswies, erschien erst einmal korrekt, denn es wurde eine namhafte Stuttgarter Notariatskanzlei, die das Vermögen treuhänderisch verwaltet, genannt. Bei Nachfrage in eben diesem Notariat wurde erklärt: „”Es gibt es kein solches Dokument in den Unterlagen unserer Kanzlei und wir haben auch keinen Klienten mit Namen Rainer Höß.“ Da der Notar eine Anzeige erstatten wollte, handelt es sich hier um ein schwebendes Verfahren über das an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden kann, “Yediot Ahronot” behält sich vor, darüber zu gegebener Zeit zu berichten.

“Mir schickte er das Dokument als Anhang an eine Mail, innerhalb von zwei Minuten”, sagt Rena. “Mit anderen Worten, wurde das Dokument im Voraus vorbereitet. Ich beschloss, mit der Beziehung zu brechen, bevor er mich um Geld bitten könnte, um die Stiftung angeblich zum Laufen zu bringen. Doch nicht das scheinbar vorsätzlich gefälschte Dokument bestärkte mich, die Verbindung abzubrechen, sondern die fortlaufenden Lügen seinerseits. Seit wir wissen, war dies Dokument gefälscht ist und es alles darauf hindeutet, dass der Mann in kriminelle Handlungen verwickelt war und scheinbar ist, sind wir froh die Angelegenheit so beendet zu haben. Doch letztendlich gaben seine Lügen den entscheidenden Ausschlag.”

Zur gleichen Zeit stellt sich heraus, dass Höß keinen Rechtsanspruch auf den Nachlass seines Großvaters hat, denn im Gegensatz zu seinen Behauptungen, steht fest, dass der gesamte Nachlass des Rudolf Höß, der Mutter von Rainer Höß, Irene, gesetzlich zusteht. Auch die Darstellung im Film „hitlers children“ ist irreführend, wenn er den Nachlass seines Großvaters dem ‚Instituts für Zeitgeschichte’ (IFZ München) überreicht, denn diese Täuschung wurde erst später entdeckt und von der wahren Erbin, der Mutter von Rainer Höß, korrigiert.

“Heute, ist das Konvolut frei zugänglich für Studenten und Historiker und das ist eine erfreuliche Entwicklung”, sagte ein Institutsmitarbeiter zu ‚Yedioth Ahronoth’. Wobei zu bemerken ist, dass einer der Archivmitarbeiter anscheinend engen Kontakt mit Rainer Höß hat.

Eine weitere Deutsche wurde von Höß durch ‘Facebook’ am Holocaust-Gedenktag kontaktiert. Sie erinnert sich: “Anfangs klang er sehr sympathisch. Wir sprachen vor allem über seinen Großvater. Sehr überrascht war ich einerseits, von jemandem aus der Familie Höß zu hören, da mein Kenntnisstand dahingehend war, dass sich niemand aus dieser Familie öffentlich äußert. Dabei zeigt Herr Höß ein geringes Interesse am eigentlichen Holocaust. Andererseits zeigte er großes Interesse, sich an Vorträgen in Schulen zu beteiligen. Später begann er, über sein Privatleben zu sprechen. An einigen Stellen hatte ich das Gefühl, dass er sehr übertreibt. Er erfand mehrere solcher Geschichte wie: Der Präsident der Bundesrepublik Deutschland wird ihm das Bundesverdienstkreuz auf Empfehlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin verleihen. Ferner erzählte er, dass er eingeladen wurde, Gruppen im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz führen, wobei ich wusste, dass die Gedenkstätte Auschwitz ausschließlich  professionell ausgebildete Mitarbeiter beschäftigt.“

Die Frau weiter: “Er kokettiert mit seinem familiären Hintergrund und erzählt unwahre Geschichten. Er behauptet, dass über ihn ein Buch geschrieben wird und der Verlag von einer Auflage von 25 Millionen Exemplare ausgeht.“ Des Weiteren stand er via Facebook mit einem amerikanischen Juden in Kontakt, dessen Eltern den Holocaust überlebten, diesen bat Höß ihn mit wohlhabenden Juden in den USA in Verbindung zu bringen. Als dahingehend nichts kam, beschimpfe er ihn,  einen Nachkomme von Überlebenden des Holocaust, mit antisemitischen Schimpfworten.

Die deutsche Journalistin, Gerda-Marie Schoenfeld, die seit vielen Jahren für das Magazin ‘Stern’ schrieb und zusammen mit Rainer Höß ein Buch über seine Familie schreiben wollte, wobei sie kürzlich beschloss das Projekt aufzugeben, nachdem es ihr klar wurde, dass er ein zwanghafter Lügner ist. “Der Mann ist ein Narzisst, ein Mann, der sich selbst ein imaginäres Leben phantasiert und nur Lügen, Lügen und wiederum Lügen von sich gibt”, sagt Schoenfeld.Ergänzend fügt sie hinzu: “Aber nicht nur da liegt sein Problem, bei einem gemeinsamen Besuch in Israel, saßen wir in einem Restaurant am See Genezareth. Am Nebentisch saß ein älteres Ehepaar, die Deutsch sprachen, Überlebende des Nazi-Terrors,  der Ehemann floh aus Berlin vor dem Krieg, die Frau überlebte in Bergen-Belsen. Beide sprachen darüber, was sie durchgemacht haben. Doch anstatt zuzuhören, hörte Rainer Höß, der Enkel des Kommandanten von Auschwitz, nicht auf mit einer streunenden Katze, die unter dem Tisch war, zu spielen. Dieser Mann, der mir immer sagte, er wolle Überlebende treffen, war nicht im Geringsten daran interessiert diesen Menschen zu zuhören.”

Nachdem sich Marie Schönfeld etwas beruhigte, berichtete sie weiter: “Die Situation verschlimmerte sich später noch mehr. Wir besuchten auf Einladung eines Lehrers eine Schule, deren Schüler Rainer Höß im Rahmen der Filmaufnahmen für den Film „hitlers children“ in Auschwitz kennen gelernt hatten, anwesend waren auch  zwei Überlebende von Auschwitz, die über ihre Qualen im Lager erzählten. Rainer Höß behielt während der ganzen Zeit seinen Kaugummi kauend im Mund, währenddessen die beiden über die Folter, Hunger und Tod in Auschwitz sprachen. Die Verachtung, die in dieser Respektlosigkeit lag, hat mich nachhaltig erschüttert.“

Weiter erzählt Frau Schönfeld: “Währendunsere Bekanntschaft überraschte er mich jedes Mal wieder mit erstaunlichen Informationen, so erzählte er: Die jüdische Bevölkerung hegt den Wunsch, ihm Rainer Höß ihm den Friedenspreis des Landes Israel zu verleihen. Ferner berichtete er, dass Elie Wiesel ihn, den Enkel des Kommandanten von Auschwitz, in Auschwitz zu sehen und kennen zu lernen wünscht.

Auf die Spitze trieb er es, in dem er erzählte, dass die Villa von Rudolf Höß in Auschwitz ihm gehört; ja und er behauptete, er habe Dokumente, die dies bewiesen. Aber, fügte er hinzu, dass die polnische Familie, die heute dort lebt, auch weiterhin dort ihr zu hause haben darf. Rainer Höß baut mit den Namen der Familie eine schreckliche neuen ‚imaginäre’ Identität. Er präsentiert sich als ein Held, bekämpft Neo-Nazis und ist auf der ganzen Welt respektiert, eine krankhafte Fantasie.”

Seit kurzem begann Höß, anderen Menschen, die mit ihm in Verbindung sind, zu verbreiten, dass er in der Villa der Familie Höß in Auschwitz ein Museum aufbauen zu wollen, ein Museum über das ruhige, friedliche und extravagante Leben der Familie Höß in Sichtweite der Verbrennungsöfen …..Herr Höß kolportiert, dass die Leitung des Auschwitz-Museums von seiner Idee begeistert ist, auf Nachfrage teilte der Pressesprecher “Yediot Ahronot“ mit: „Ich weiß nichts über eine solche Idee. Wir haben andere Prioritäten und werden keine Villa kaufen, weder hier in Auschwitz noch sonst wo, auch werden wir kein anderweitiges Museum etablieren.“ ir wären froh nicht mehr über diesen Mann berichten zu müssen, doch leider zeigen seine Aktivitäten, dass er sich über die öffentliche Meinung hinwegsetzt.

Der Journalist Eldad Beck - akkredetiert in Berlin – der Zeitung  “Yediot Ahronot” (Tel Aviv) hat den Artikel am Freitag, den 02. September 2011 veröffentlicht. (Deutsche Übersetzung von Rena Jacob)

Siehe auch: → sunday-news.wider-des-vergessens.de

Dortmund stellt sich quer

Nazis abservieren - No Pasarán!

Dortmund stellt sich quer 2011

Die Region Dortmund gilt bundesweit als eine der Nazihochburgen, dort und in umliegenden Städten kommt es regelmäßig zu Angriffen auf linke Einrichtungen und Büros sowie auf Einzelpersonen der organisierten Linken und MigrantInnen. So wurde z.B. das Wahlkreisbüro von Ulla Jelpke (MdB DIE LINKE) in Dortmund bereits sechs mal (!) von Nazi angegriffen. Erst Ende Juli kam es in Dortmund zu einer Serie von Attacken gegen aktive Linke und Büros von DKP und Linkspartei. Die Angriffe stehen offenbar im Zusammenhang mit einem geplanten Noenazi-Aufmarsch am 3. September in Dortmund. Die Nazis wollen ihren “Nationalen Antikriegstag” begehen - jedoch formiert sich breiter Widerstand. Verschiedene Bündnisse planen Protestaktionen. Das Bündnis “Dortmund stellt sich quer” ruft zu Aktionen des zivilen Ungehorsams gegen Nazis und zu Blockaden auf. mehr …

In der Ruhrgebietsmetropole selbst wohnen zahlreiche Neonazis im Stadtteil Dortmund-Dorstfeld. Eine antifaschistische Vorabenddemo nach Dortmund-Dorstfeld am 2.9. beginnt um 19 Uhr am ZOB (direkt am Hauptbahnhof).

Nazis am 3. September 2011 in Dortmund abservieren! No Pasarán! Dorstfeld nicht in Nazihand!

Am Tag der Befreiung bin ich wiedergeboren worden

Lebensgeschichtliche Erinnerungen der KZ-Überlebenden Judith Altmann

Sie überlebte Auschwitz, die Außenkommandos von Buchenwald in Gelsenkirchen und Essen und das Inferno von Bergen-Belsen. Judith Altmann, 1924 in Jasina in der damaligen Tschechoslowakei geboren, wurde im April 1944 zusammen mit ihrer Familie in ein Ghetto in Ungarn gebracht. Danach verschleppte man sie und die Familie nach Auschwitz. Von dort wurde das junge Mädchen weiter in Außenlager von Buchenwald in Gelsenkirchen und Essen deportiert, musste dort Zwangsarbeit leisten und gelangte dann mit einem der berüchtigten Todesmärsche über Buchenwald nach Bergen-Belsen, wo sie im April 1945 von britischen Soldaten befreit wurde. Judith Altmann und ihre Nichte Ida, die heute in Israel lebt, haben als einzige aus der Familie überlebt. 22 Familienmitglieder sind im Holocaust ermordet worden. Im Juni 2011 berichtet Judith Altmann in einem Interview mit dem gemeinnützige Verein Gelsenzentrum von ihrem Leidensweg durch die Konzentrationslager.

→ Judith Altmann: Am Tag der Befreiung bin ich wiedergeboren worden