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Archive für 2011
Umbennung - Straße war nach NS-Täter benannt
30.12.2011 von Gelsenzentrum.
Stadt Gelsenkirchen ließ Chance verstreichen
Der Name des NS-Täters Paul Schossier als Namensgeber für eine Straße in Gelsenkirchen ist jetzt endgültig Geschichte. Im letzten Jahr wurde die Straße von der zuständigen Bezirksvertretung Nord umbenannt, das alte Straßenschild blieb jedoch neben dem neuen ein Jahr durchgestrichen hängen. Auch diese Frist ist verstrichen, der Name des NS-Täters ist nun aus dem öffentlichen Raum verschwunden.
Die Stadt Gelsenkirchen ließ jedoch die Chance verstreichen, den nach dem Nazi-Schreibtischtäter Paul Schossier benannten Weg nach einem unschuldigen, neunjährigen Opfer seiner Tätigkeit umzubenennen. Der Ehrung durch die Straßenbenennung im Öffentlichen Raum, die der Nazi Paul Schossier seit 1966 erfahren hat, eine Ehrung der in Auschwitz ermordeten Rosa Böhmer, die zu den durch Schossier verfolgten Gelsenkirchener Sinti und Roma gehört, gegenüber zu stellen, wäre eine würdige und gerechte Lösung gewesen. Zwar verschwindet mit der Umbenennung der Name des Nazi-Täters endlich aus dem öffentlichen Raum, doch wurde hier die Chance vertan, „… ein Zeichen dafür zu setzen, dass die Stadt Gelsenkirchen die Sinti und Roma, die Bürger dieser Stadt waren, und ihr Schicksal nicht vergisst und dass ihre Geschichte auch heute noch einen Platz in Gelsenkirchen hat.“ Mit diesen Worten hatte Roman Franz, der Vorsitzende des Landesverbandes der Sinti und Roma, die Umbenennung des „Paul-Schossier-Weg“ in „Rosa-Böhmer-Weg“ befürwortet.
Die Umbenenung war bereits 2008 von Andreas Jordan, Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins Gelsenzentrum e.V. vor dem Hintergrund neuer Recherchen des Vereins angestoßen worden. Die lokale Politik reagierte daraufhin und gab ein Gutachten in Auftrag, dass Paul Schossiers Beteiligung am NS-Völkermord in seiner Eigenschaft u.a. als Rechts- und Polizeidezernent erneut bestätigte. So war Paul Schossier für die Deportation und die daran anschließende Ermordung der Gelsenkirchener Angehörigen des Volkes der Sinti und Roma im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau mitverantwortlich. Der Vorschlag des Gelsenzentrum e.V., der auch vom Landesverband der Sinti und Roma in NRW unterstützt wurde, den ehemaligen “Paul-Schossier-Weg” nach einem Opfer des “Wirkens” von Paul Schossier, dem 9-jährigen Sinti-Mädchen Rosa Böhmer aus Gelsenkirchen zu benennen, fand dagegen weder im Rat der Stadt Gelsenkirchen noch in der Bezirksvertretung Nord eine Mehrheit.
Die Anwohner des “Paul-Schossier-Weges” reagierten seinerzeit in Kenntniss der “über das Mitläufertum hinausgehende Betätigung des Namensgebers Paul Schossier” während der Zeit des Nazi-Regimes dennoch mit Unverständnis über die Umbenennung, wie es Anwohner Heinz Hackstein in einer Bürgeranfrage darlegte. Dagegen hieß es von Seiten der Politik, die Umbenennung sei “nachvollziehbar und vernünftig, man bedauere, dass es erst so spät zu einer Umbenennung kam”. Der neue Namensgeber Josef Sprenger, ein Lokalpolitiker und ehemaliger Bürgermeister, wurde 1933 von den Nazis aus dem Dienst entlassen. Sprenger war in der NS-Zeit keiner direkten Verfolgung ausgesetzt. Er verließ nach seiner Entlassung Gelsenkirchen und lebte bis zu seinem Tod 1951 in Essen.
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182 Menschen wurden Opfer rassistischer Gewalt
18.12.2011 von Gelsenzentrum.
Gegen das Vergessen
Dieses Video ist den 182 Menschen gewidmet, die von 1990 bis 2010 rassistischer und rechtsextremer Gewalt zum Opfer fielen. Sie wurden von Rechtsextremen ermordet, weil für sie im Weltbild der Nazis kein Platz ist; manche, weil sie den Mut hatten, menschenverachtenden Nazi-Parolen zu widersprechen, andere, weil sie Zivilcourage gezeigt haben. Einige der Morde bewegten die Öffentlichkeit, die meisten wurden jedoch kaum von der Zivilgesellschaft zur Kenntnis genommen, vergessen sind die meisten.
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Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht!
15.12.2011 von Gelsenzentrum.
Online-Kampagne gegen Rechtsextremismus nimmt Fahrt auf
Wir wollen die Klippe sein, an der die Braune Welle bricht - unter diesem Motto findet derzeit im sozialen Netzwerk Facebook eine Aktion gegen Rechtsextremismus statt. Die Online-Aktivisten des Netzwerks gegen Rassismus und Extremismus in Gelsenkirchen haben die Aktion, die sich rasend schnell im Netz verbreitet, am 14. Dezember gestartet. Nach nur 24 Stunden nehmen bereits mehr als 300 Internet-Nutzer an einer virtuellen Menschenkette teil.
An der virtuellen Menschenkette teilnehmen
Mehr: Virtuelle Menschenkette gegen Rechtsextremismus und Rassismus
Mehr: Die Aktion bei Facebook
Zeige deinen Freunden, dass du dich in die Menschenkette einreihst - füge dieses PicBadge zu deinem Facebook-Profilbild hinzu! Einfach das Picbadge anklicken, der Anleitung folgen - das neue Profilbild auf Facebook verwenden - fertig!
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Volksverhetzung - Nazishop durchsucht
1.12.2011 von Gelsenzentrum.
Auch Webseite nicht mehr erreichbar
Nach einer Strafanzeige des “Netzwerk gegen Rassismus und Extremismus Gelsenkirchen” wegen Volksverhetzung durchsuchte die Berliner Polizei am 22. November die Geschäftsräume des rechten Versandhandels “Reconquista”. Der Internetshop bot unter anderem ein T-Shirt mit dem Aufdruck “Killer Döner nach Thüringer Art” an. Verantwortlich laut Impressum: Dirk Bernt und André Reinecke. Derzeit ist der Versandhandel, der sich in der rechten Szene großer Beliebtheit erfreute, auch im Web nicht mehr erreichbar.
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Rechtsrock-Band “Kategorie C – Hungrige Wölfe” plant Konzert
1.12.2011 von Gelsenzentrum.
Auftrittsverbot auch in NRW?
Hatte die die rechtsextreme Band „Kategorie C – Hungrige Wölfe“ jüngst noch ein Auftrittsverbot in Bremen kassiert, lädt die rechte Kapelle auf ihrer Webseite jetzt zu einem Konzert “im Ruhrpott” ein, dass am 10. Dezember stattfinden soll. Ohne eine konkrete Ortsangabe wird das Konzert höchst konspirativ vorbereitet, Teilnehmer erhalten über zwei Mobilfunkrufnummern kurzfristig Infos zu Treffpunkten, um dann von dort zum eigentlichen Veranstaltungsort zu gelangen.
Mehrfach sind in der Vergangenheit Konzerte der rechtsextremen Band verboten worden. In der jüngsten Verbotsbegründung des Stadtamtes in Bremen heißt es u.a. sinngemäß: “Das in den Liedtexten enthaltene rechtsextremistische Gedankengut ist geeignet, verfassungswidrige Assoziationen beim Publikum hervorzurufen oder aber zu steigern“ und weiter: “Das Abspielen rechtsextremistischer Musikstücke ist ein bedeutsames Medium zur Verbreitung rassistischen und nationalsozialistischen Gedankenguts und dient zu dessen Verfestigung und Stabilisierung”. Die Entscheidung wurde vom Oberverwaltungsgericht Bremen bestätigt: “Das Oberverwaltungsgericht ist der Auffassung, dass bei Durchführung des Konzerts die konkrete Gefahr besteht, dass es zur Verletzung von Strafvorschriften kommt. Es müsse damit gerechnet werden, dass insbesondere von den Konzertbesuchern solche Rechtsverstöße ausgingen (Hitlergruß etc.). Das belegten Verstöße aus der jüngsten Vergangenheit. Das hochkonspirative Vorgehen der Konzertveranstalter entziehe die Veranstaltung jeglicher Kontrolle und dränge die Schlussfolgerung auf, dass das in der Vergangenheit gezeigte Verhalten fortgesetzt werden solle (…). Bleibt zu hoffen, dass man in NRW den Ausführungen im Beschluss des OVG Bremen folgt und ebenfalls ein Verbot für das geplante Konzert ausspricht.
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Woche der Erinnerung in Gelsenkirchen
30.11.2011 von Gelsenzentrum.
Internationaler Holocaust-Gedenktag 2012
Der Internationale Holocaust-Gedenktag, der am 27. Januar europaweit begangen wird, erinnert an alle Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Größenwahns geworden sind. An diesem Tag wurden auch die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Allein in der Mordfabrik Auschwitz starben etwa 1,5 Millionen Menschen auf grausamste Weise. Auschwitz, der deutsche Name eines kleinen Ortes in Südpolen, ist weltweit zum Synonym für den NS-Völkermord geworden.
Im Januar wird in Gelsenkirchen vom 20.-27. Januar 2012 eine “Woche der Erinnerung” zum Internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden. Die Gedenkwoche mahnt zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der so genannten “Wannseekonferenz” (20.1.) und den 70. Jahrestag des größten Deportationstransportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen (27.1.).
Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation nach Riga
In Gelsenkirchen verließ am 27. Januar 1942 der erste und größte “Judensammeltransport” die Stadt. Über 500 jüdische Menschen aus Gelsenkirchen und Umbebung wurden an diesem Tag mit der Deutschen Reichsbahn zunächst in das Ghetto Riga verschleppt. Nur die wenigsten der Menschen überlebten Transport, Ghettos und Konzentrationslager.
Der Verein Gelsenzentrum ruft Organisationen, Schulen, Initiativen und Verbände zum Mitgestalten der “Woche der Erinnerung” auf: “Denkbar sind beispielsweise Gottesdienste, Workshops, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Aufführungen, Zeremonien oder das Verlesen der Namen von NS-Opfern als aktiver Beitrag. Der 27. Januar soll langfristig integraler Bestandteil der Gelsenkirchener Erinnerungskultur werden” sagt Andreas Jordan von Gelsenzentrum. Der gemeinnützige Verein hat die Woche der Erinnerung” initiiert, geplant sind u.a. Filmvorführungen und Vorträge im Kulturzentrum “die flora” sowie eine Gedenkveranstaltung mit einem Schweigegang und Redebeiträgen. Ihren Abschluss findet die “Woche der Erinnerung” mit dem Entzünden der Gelsenkirchener Lichter auf dem Neumarkt. Infos per Email: a.jordan ätt gelsenzentrum.de oder Telefon:0209/9994676
Quelle: Presse- und Medienmitteilung des Gelsenzentrum e.V. vom 30. November 2011
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Nazis fallen nicht einfach vom Himmel
23.11.2011 von Gelsenzentrum.
Und plötzlich waren sie da, die Nazis
Und plötzlich waren sie da, die Nazis.
Deutschland ist schockiert.
Der Bundestag tagt und beschließt überfraktionell ein Papier gegen Rechtsradikalismus.
So etwas darf nie wieder passieren. Man ist sich einig.
Dönermorde?
Mafiageschäfte?
Russenmafia?
Türkengangs?
Vergessen. Man kann ja mal daneben liegen. Für was hat man denn auch einen Verfassungsschutz?
Es ist wie 1945.
Plötzlich waren die Nazis da.
Davor hat sie ja anscheinend niemand gesehen.
Die Hakenkreuze auf unseren Friedhöfen, die Glatzköpfe auf den Straßen, die Kommentare auf der Straße: anscheinend werden diese Signale von der Mehrheitsbevölkerung nicht wahrgenommen?
Was wir nicht brauchen, ist ein Aktionismus - wer erinnern uns: Fukushima? Klimaerwärmung? Sarrazin? Morgen schon wieder vergessen.
Während Deutschland über den Nazi-Terrorismus schockiert ist -
sendet das ZDF eine Sendung über den “Wüstenfuchs Rommel”.
Man diskutiert, ob er vielleicht doch ein Widerstandskämpfer gewesen sei.
Mehr muß man doch nicht über dieses Thema sagen.
Deutschland. 2011.
Man könnte schreien.
Autor: Immer wieder Freitag
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Feierstunde: Rolf Abrahamsohn ausgezeichnet
18.11.2011 von Gelsenzentrum.
Marler wird “Vestischer Ehrenbürger”
Landrat Cay Süberkrüb überreichte gestern im Kreishaus Recklinghausen die Verleihungsurkunde an Rolf Abrahamsohn. “Zur öffentlichen Anerkennung und Ehrung ihrer langjährigen Verdienste zum Wohle und Ansehen des Kreises Recklinghausen verleihen wir Ihnen die Auszeichnung “Vestischer Ehrenbürger” sagte der Landrat, als er die Urkunde an Rolf Abrahamson übergab. Stehend applaudierten die geladen Gäste dem 86jährigen aus Marl, der als einzigster seiner Familie den Holocaust überlebte.
Die Laudatio auf Rolf Abrahamsohn hielt Sr. Johanna - Ruth Eichmann, eine enge Freundin von Rolf Abrahamsohn. Sie fand warme und bewegende Worte, die den alten Herren sichtlich berührten. In seiner Dankesrede betonte Rolf Abrahmsohn, wie sehr es ihn sein Leben lang schmerzt, dass er den Kindern, die mit ihm im KZ waren, damals nicht hat helfen können. “G’tt hatte wohl damals Urlaub, sonst wäre all das Morden und Verbrennen nicht geschehen” sagte Abrahmsohn mit dem ihm so eigenen Humor, und weiter: “Das alles, was ich erlebt habe , kann man nur erzählen mit etwas Humor - sonst wird man verrückt”.
Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Engländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. “Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl ” sagt Abrahamsohn nachdenklich. Man spürt, dass er seinen damaligen Entschluss zu bleiben, auch schon so manches mal bereut hat.
Rolf Abrahamsohn spricht im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen
Video: “Alles weiß Ich noch… und das ist das Schlimme daran”
Fotos Heike Jordan, Gelsenzentrum e.V.
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Wider dem Vergessen
17.11.2011 von Gelsenzentrum.
20. - 27. Januar 2012 - Woche der Erinnerung - Gelsenkirchener Lichter
70. Jahrestag der “Wannsee-Konferenz” - Auf der “Wannseekonferenz” vom 20. Januar 1942 kamen 15 hohe Vertreter von NS-Verfolgungsbehörden und Parteidienststellen zusammen, um den bereits begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu planen und zu organisieren. Unter den Teilnehmern war auch der Gauleiter von Westfalen-Nord und Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer, der in Gelsenkirchen als Repräsentant des NS-Regimes äußerst aktiv war. Als Stellvertreter des Reichsministers Alfred Rosenberg war Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünderung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Auf der Wannsee-Konferenz forderte Meyer, “gewisse vorbereitende Arbeiten” jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen. In einem Schreiben von Juli 1942, schlug er vor, in der Sowjetunion gegen “jüdische Mischlinge” dieselben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen.
Am 27. Januar, der in vielen Ländern Europas vor dem Hintergrund der Befreiung des KZ Auschwitz als Internationaler Holocaust-Gedenktag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begangen wird, jährt sich zum 70. Male das Datum des ersten und größten Deportationstransportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga.
Anlässlich dieser zeithistorischen Ereignisse zeigt Gelsenzentrum e.V. im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen im Rahmen der “Woche der Erinnerung” die Filme:
Nacht und Nebel
Als Mahnmal gegen das Vergessen entstand 1955, 10 Jahre nach der Auflösung der Konzentrationslager, unter der Regie von Alain Resnais der Film “Nacht und Nebel”. Er nimmt seinen Ausgang in den grün überwucherten Ruinen von Auschwitz und zeigt dann in einem Rückblick das Geschehen in den Todeslagern, die gnadenlose menschenverachtende Präzision der “Endlösung”. Dabei verbinden sich einprägsame Bilder mit der Musik Hanns Eislers und der künstlerischen Ausdruckskraft der Schriftsteller Jean Cayrol und Paul Celan (für die deutsche Bearbeitung), die beide den Holocaust überlebten, zu einem Dokument von erbarmungsloser Eindringlichkeit. Diese Qualität und sein Stellenwert als Warnung vor kollektiver Entmenschlichung im Zuge ideologischer Verblendung und politischer Diktatur verleihen dem Film eine zeitlose Aktualität. Regie Alain Resnais, Frankreich 1955 (32 Min.) Deutsche Fassung. FSK: 12 Jahre
Einführung (Vortrag): Hartmut Hering
19. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei - Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.
“Alles weiß ich noch… und das ist das Schlimme an der Geschichte”
Der 86-jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl ist einer der wenigen Überlebenden des Holocaust, der noch aus eigenem Erleben von seinen Gewalterfahrungen unter dem Terrorregime der Nazis berichten kann. Was Rolf Abrahamsohn erzählt, ist spannend, ist aufregend, ist unglaublich - und leider wahr. Sichtlich zerrt die Erinnerung an seinen Kräften, wenn er von den Erlebnissen in der so genannten “Reichskristallnacht” berichtet oder von der Deportation am 27. Januar 1942 aus dem “Judensammellager” auf dem Gelsenkirchener Wildenbruchplatz in das Ghetto Riga. Als er vom gewaltsamen Tod seiner Mutter spricht, versagt dem alten Mann beinahe die Stimme. Abrahamsohn berichtet von seinem Leidensweg, der in die Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof und Buchenwald, in ein Außenlager von Buchenwald beim Bochumer Verein und weiter nach Theresienstadt führte, wo er schließlich befreit wurde. In Marl baute sich Rolf Abrahamsohn, dem am 17. November 2011 in Recklinghausen die Auszeichnung “Vestischer Ehrenbürger” verliehen wurde, nach seiner Rückkehr ein neues Leben auf. Videomitschnitt eines zeitzeugenschaftlichen Vortrages von Rolf Abrahamsohn am 27. Januar 2011 im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen. Eine Aufzeichnung von Jesse Krauß. (53 Min.)
26. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei - Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.
Gelsenzentrum - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen bereitet derzeit neben den “Gelsenkirchener Lichtern”, die im kommenden Jahr am 27. Januar wieder in der Gelsenkirchener Innenstadt auf dem Neumarkt entzündet werden sollen, weitere Aktionen zum aktiven Gedenken in der “Woche der Erinnerung” vor.
Vertreter interessierter Organisationen, Schulen, Vereine oder Verbände sind herzlich zum aktiven Mitmachen und Mitgestalten der “Woche der Erinnerung” aufgerufen. Infos per Email bei Gelsenzentrum e.V. - Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen oder unter Telefon 0209 9994676.
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NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04
13.11.2011 von Gelsenzentrum.
Stolpersteine in Gelsenkirchen - Gegen das Vergessen
Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die ersten Gedenksteine werden im Herbst 2012 verlegt.
Die Projektgruppe Stolpersteine hat Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und der Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen fand im Juni statt. Eine abschließende Antwort des Vereins steht derzeit aber noch aus.
Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, “verabschiedete” auch der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere “nichtarische” Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits “freiwillig” verlassen hatten. Leopold “Leo” Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.
Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So “kaufte” Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte “Arisierung” fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: “Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat.
Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunternehmers Max Ferse günstig “erwerben”. Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.
Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskriminierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander sind noch nicht abgeschlossen.
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