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Archive für Oktober 2011

Erinnerung braucht Pflege

Stadt Gelsenkirchen lässt Gräber von NS-Opfern herrichten

Bekanntlich mahlen die Mühlen der meisten Stadtverwaltungen sehr langsam. Das es auch anders geht, hat jetzt die Stadt Gelsenkirchen gezeigt. Nachdem die Gelsenkirchener Gruppe der VVN/BdA kürzlich in einem Brief an die Stadt den schlechten Pflegezustand eines Grabfeldes auf dem Ostfriedhof hingewiesen hatte, hat die Stadt jetzt schnell und unbürokratisch Abhilfe geschaffen.

Das Grabfeld, auf dem nach Gelsenkirchen verschleppte Zwangsarbeiter bestattet sind, die hier zwischen 1941-1945 durch Gewalt, Hunger und Krankheit zu Tode gekommen sind, wurde jetzt von Gelsendienste wieder in einen würdigen Zustand versetzt. Die Grabsteine wurden von Moos und Verschmutzung gereinigt, mit Steinplatten eingefasst und neu bepflanzt, auch Rasen wurde neu eingesät.

Das Grabfeld auf dem Gelsenkirchener Ostfriedhof wurde jetzt hergerichtet

Der Rote Emscherbote schreibt:
→ Zwangsarbeiter-Gräber auf dem Ostfriedhof in Hüllen werden gepflegt

Stolperstein-Initiative erinnerte an “Polen-Aktion”

Nur wenige Teilnehmer bei Gedenkveranstaltung

Gelsenkirchen. Nur einige wenige Menschen nutzten die Chance, am Freitag Abend jüdischen Opfern des NS-Terrors ein ehrendes Andenken zu erweisen.

Die örtliche Stolperstein-Initiative erinnerte zum Abschluss der diesjährigen Stolperstein-Putzaktion in der Gelsenkirchener Kolpingstrasse an die so genannte “Polenaktion” , einer großangelegten Ausweisungsaktion von Menschen aus dem deutschen Reichsgebiet, von der am 28. Oktober 1938 rund 17.000 Juden jeden Alters betroffen waren. Daruter befanden sich auch rund 80 Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen. Diese Ausweisungsaktion der Nazis war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Der heute in den USA lebende Herman Neudorf ist der einzige Gelsenkirchener Jude, der von der Ausweisungsaktion noch aus eigenem Erleben berichten kann. Seine Gedanken zum 28. Oktober wurden gestern an der Kolpingstrasse von Heike Jordan, die als Projektleiterin die Stolperstein-Initiative in Gelsenkirchen ehrenamtlich betreut, verlesen.

→ Herman Neudorf: Meine Gedanken zum 28. Oktober 1938

Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

Stolperstein-Putzaktion endet mit Gedenkveranstaltung

Mit der Stolperstein-Putzaktion, die am Freitag den 28. Oktober  um 18:00 Uhr an der Kolpingstrasse an den dort verlegten Stolpersteinen mit einer kleinen Gedenkveranstaltung ihren Abschluß findet, soll auch in diesem Jahr an die Opfer der so genannten “Polen-Aktion” erinnert werden.

Bei der  von den Nationalsozialisten als “Polen-Aktion” bezeichneten Abschiebung wurden am 28. Oktober 1938 deutschlandweit mehr als 17.000  Juden in das deutsch-polnische Grenzgebiet verschleppt. In Gelsenkirchen waren 80 Juden von der Austreibungsaktion betroffen. Diese Diskriminierungsmaßnahme des NS-Regimes stellte ein ersten Höhepunkt der physischen Verfolgung der jüdischen Minderheit dar und war der Auftakt zur Vernichtung der europäischen Juden.

Etwa eine Woche nach der Ausweisung seiner Eltern im Rahmen der so genannten “Polen-Aktion” erschoß der 17jährige Herschel Feibel Grynszpan aus Verzweiflung darüber und um die Welt aufzurütteln einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris. Diese Tat nahmen die Nationalsozialisten bekanntermaßen zum Anlaß, um die Pogrome in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 gegen die jüdische Bevölkerung in Deutschland zu initiieren. Vor dem Hintergrund der antijüdischen Novemberpogrome 1938 sind die Vorgänge um diese bis dato größte Ausweisungsaktion in der deutschen Geschichte fast völlig vergessen.

Die Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen ruft zur Teilnahme an der Gedenkveranstaltung auf.

Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen

Dokumentation: → Vertreibung der polnischen Juden aus Deutschland 1938

Siehe auch: → Stolpersteine - Erinnerung an NS-Terror gegen Juden

Nazis schmieren Hakenkreuze an Falkenheim

Nazis beschmieren Fritz-Erler-Haus in Gelsenkirchen-Hassel

Das Falkenheim “Fritz-Erler-Haus” in Gelsenkirchen-Hassel wurde in der Nacht vom 17. auf den 18. Oktober 2011 massiv mit Hakenkreuzen und Nazi-Parolen beschmiert. Ebenso wurden Autos, die in unmittelbarer Nähe parkten, durch Farbschmierereien beschädigt. Der Schaden am Gebäude wird auf mehrere Tausend Euro geschätzt.

In der Pressemitteilung der Polizei liest sich das so:

Graffitischmierereien an Fahrzeugen im Bereich Hassel.

Bisher unbekannte Täter beschädigten in der Zeit zwischen Montagabend 20:00 Uhr und Dienstag gegen 01:00 Uhr insgesamt 14 geparkte Fahrzeuge im Bereich Flachsstraße, Rockenstraße, Am Freistuhl, Polsumer Straße im Stadtteil Hassel mit Graffitischmierereien. Mit weißer Lackfarbe sprühten sie Hakenkreuze auf Seitenscheiben und Motorhauben. Auch das Heim der Falkenjugend ( Fritz-Erler-Haus) ,Am Freistuhl 4, wurde mit schwarzer Farbe und ähnlichen Schriftzügen beschmiert. Zeugen, die im genannten Zeitraum verdächtige Wahrnehmungen gemacht haben oder Hinweise auf die Täter geben können, werden gebeten sich bei der Polizei unter der Rufnummer 0209/ 365-8502 oder -8240/Kriminalwache zu melden. Die Ermittlungen der Polizei dauern an.

Weitere Infos: → Angriffe auf Einrichtungen der Falken

Nazis beschmieren Fritz-Erler-Haus in Gelsenkirchen-Hassel

Wider dem Vergessen - Novemberpogrome 1938

Gedenken und Erinnern an die Opfer der Pogromnacht

Auch in diesem Jahr finden an vielen Orten in Deutschland Veranstaltungen zum Gedenken an die jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger statt, die in der so genannten “Reichskristallnacht” vom 9. auf den 10. November 1938 Opfer der rassistisch motivierten Gewalttaten gegen Leib, Leben und Eigentum wurden - so auch in Gelsenkirchen.

In Gelsenkirchen beginnt die diesjährige - von der Demokratischen Initiative getragene - Veranstaltung  zum Gedenken an die Pogromnacht um 18:30 Uhr am Südeingang des Gelsenkirchener Hauptbahnhofes in der Neustadt. Dort formiert sich ein Schweigezug, der zur Begegnungsstätte “Alter Betsaal” an der Von-der-Recke-Straße 9 zieht. Halt macht der Schweigezug an der Grasreinerstraße bzw. Klosterstraße, dort ist eine Kundgebung mit einer Rede von Oberbürgermeister Baranowski geplant.

Der gemeinnützige Verein Gelsenzentrum e.V. ruft die Bürgerinnen und Bürger zur Teilnahme an den Kundgebungen und Gedenkveranstaltungen demokratischer Organisation und Gruppierungen zur Erinnerung und zum Gedenken an die jüdischen Menschen auf, die 1938 in vielfältiger Form zu Opfern der Novemberpogrome wurden. “Wir müssen wachsam sein und uns entschlossen und gemeinsam gegen das Vergessen, gegen Extremismus, Rassismus, Antisemitismus und gegen Gewalt stellen - und das nicht nur am Jahrestag der Pogrome“, so Andreas Jordan, Vorsitzender des Vereins für regionale Kultur- und Zeitgeschichte in Gelsenkirchen.

→ Die Novemberpogrome 1938 in Gelsenkirchen

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