Sie befinden sich aktuell in den Archiven des Blogs Gelsenblog - Ein Projekt von GELSENZENTRUM E. V. für November, 2011.
- … über den Tellerrand (189)
- Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen (81)
- Ausstellung Zeitgeist (10)
- Gelsenkirchen Allgemein (143)
- Kultur Gelsenkirchen (76)
- Stadtgeschichte Gelsenkirchen (87)
- Veranstaltungskalender Ruhr (71)
- Videos (7)
- 18.5.2012: Grundgesetz: Memet Kilic kupfert ab
- 13.5.2012: Umbenennung: Alte Straßenschilder noch nicht entfernt
- 7.5.2012: 8. Mai 2012 - Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus
- 4.5.2012: Bundesweite Verteilaktion: Grundgesetz für alle
- 30.4.2012: Wahlkampf der extrem rechten "Pro NRW" gerät zur Lachnummer
- 29.4.2012: Proteste gegen die rechtsextreme Partei "Pro NRW" in Gelsenkirchen
- 26.4.2012: Wusste Jörg Uckermann (Pro NRW) bereits 2010 von den Morden des NSU?
- 20.4.2012: Wahlaufruf zur Landtagswahl am 13. Mai 2012
- 20.4.2012: Protestkundgebung: Wir stellen uns Quer
- 16.4.2012: Internationales Kinderfest in Gelsenkirchen
- Mai 2012
- April 2012
- März 2012
- Februar 2012
- Januar 2012
- Dezember 2011
- November 2011
- Oktober 2011
- September 2011
- August 2011
- Juli 2011
- Juni 2011
- Mai 2011
- April 2011
- März 2011
- Februar 2011
- Januar 2011
- Dezember 2010
- November 2010
- Oktober 2010
- September 2010
- August 2010
- Juli 2010
- Juni 2010
- Mai 2010
- April 2010
- März 2010
- Februar 2010
- Januar 2010
- Dezember 2009
- November 2009
- Oktober 2009
- September 2009
- August 2009
- Juli 2009
- Juni 2009
- Mai 2009
- April 2009
- März 2009
- Februar 2009
- Januar 2009
- Dezember 2008
- November 2008
- Oktober 2008
- September 2008
- August 2008
- Juli 2008
- Juni 2008
- Mai 2008
- April 2008
- März 2008
- Februar 2008
- Januar 2008
- Dezember 2007
- November 2007
- Oktober 2007
- August 2007
- Juli 2007
- Juni 2007
- Mai 2007
- Februar 2007
- Januar 2007
- 0
Archive für November 2011
Woche der Erinnerung in Gelsenkirchen
30.11.2011 von Gelsenzentrum.
Internationaler Holocaust-Gedenktag 2012
Der Internationale Holocaust-Gedenktag, der am 27. Januar europaweit begangen wird, erinnert an alle Menschen, die Opfer des nationalsozialistischen Rassen- und Größenwahns geworden sind. An diesem Tag wurden auch die Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Allein in der Mordfabrik Auschwitz starben etwa 1,5 Millionen Menschen auf grausamste Weise. Auschwitz, der deutsche Name eines kleinen Ortes in Südpolen, ist weltweit zum Synonym für den NS-Völkermord geworden.
Im Januar wird in Gelsenkirchen vom 20.-27. Januar 2012 eine “Woche der Erinnerung” zum Internationalen Holocaust-Gedenktag stattfinden. Die Gedenkwoche mahnt zur Erinnerung an den 70. Jahrestag der so genannten “Wannseekonferenz” (20.1.) und den 70. Jahrestag des größten Deportationstransportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen (27.1.).
Gedenken zum 70. Jahrestag der Deportation nach Riga
In Gelsenkirchen verließ am 27. Januar 1942 der erste und größte “Judensammeltransport” die Stadt. Über 500 jüdische Menschen aus Gelsenkirchen und Umbebung wurden an diesem Tag mit der Deutschen Reichsbahn zunächst in das Ghetto Riga verschleppt. Nur die wenigsten der Menschen überlebten Transport, Ghettos und Konzentrationslager.
Der Verein Gelsenzentrum ruft Organisationen, Schulen, Initiativen und Verbände zum Mitgestalten der “Woche der Erinnerung” auf: “Denkbar sind beispielsweise Gottesdienste, Workshops, Vorträge, Lesungen, Ausstellungen, Konzerte, Aufführungen, Zeremonien oder das Verlesen der Namen von NS-Opfern als aktiver Beitrag. Der 27. Januar soll langfristig integraler Bestandteil der Gelsenkirchener Erinnerungskultur werden” sagt Andreas Jordan von Gelsenzentrum. Der gemeinnützige Verein hat die Woche der Erinnerung” initiiert, geplant sind u.a. Filmvorführungen und Vorträge im Kulturzentrum “die flora” sowie eine Gedenkveranstaltung mit einem Schweigegang und Redebeiträgen. Ihren Abschluss findet die “Woche der Erinnerung” mit dem Entzünden der Gelsenkirchener Lichter auf dem Neumarkt. Infos per Email: a.jordan ätt gelsenzentrum.de oder Telefon:0209/9994676
Quelle: Presse- und Medienmitteilung des Gelsenzentrum e.V. vom 30. November 2011
Geschrieben in Kultur Gelsenkirchen | Drucken | Keine Kommentare »
Nazis fallen nicht einfach vom Himmel
23.11.2011 von Gelsenzentrum.
Und plötzlich waren sie da, die Nazis
Und plötzlich waren sie da, die Nazis.
Deutschland ist schockiert.
Der Bundestag tagt und beschließt überfraktionell ein Papier gegen Rechtsradikalismus.
So etwas darf nie wieder passieren. Man ist sich einig.
Dönermorde?
Mafiageschäfte?
Russenmafia?
Türkengangs?
Vergessen. Man kann ja mal daneben liegen. Für was hat man denn auch einen Verfassungsschutz?
Es ist wie 1945.
Plötzlich waren die Nazis da.
Davor hat sie ja anscheinend niemand gesehen.
Die Hakenkreuze auf unseren Friedhöfen, die Glatzköpfe auf den Straßen, die Kommentare auf der Straße: anscheinend werden diese Signale von der Mehrheitsbevölkerung nicht wahrgenommen?
Was wir nicht brauchen, ist ein Aktionismus - wer erinnern uns: Fukushima? Klimaerwärmung? Sarrazin? Morgen schon wieder vergessen.
Während Deutschland über den Nazi-Terrorismus schockiert ist -
sendet das ZDF eine Sendung über den “Wüstenfuchs Rommel”.
Man diskutiert, ob er vielleicht doch ein Widerstandskämpfer gewesen sei.
Mehr muß man doch nicht über dieses Thema sagen.
Deutschland. 2011.
Man könnte schreien.
Autor: Immer wieder Freitag
Geschrieben in ... über den Tellerrand | Drucken | Keine Kommentare »
Feierstunde: Rolf Abrahamsohn ausgezeichnet
18.11.2011 von Gelsenzentrum.
Marler wird “Vestischer Ehrenbürger”
Landrat Cay Süberkrüb überreichte gestern im Kreishaus Recklinghausen die Verleihungsurkunde an Rolf Abrahamsohn. “Zur öffentlichen Anerkennung und Ehrung ihrer langjährigen Verdienste zum Wohle und Ansehen des Kreises Recklinghausen verleihen wir Ihnen die Auszeichnung “Vestischer Ehrenbürger” sagte der Landrat, als er die Urkunde an Rolf Abrahamson übergab. Stehend applaudierten die geladen Gäste dem 86jährigen aus Marl, der als einzigster seiner Familie den Holocaust überlebte.
Die Laudatio auf Rolf Abrahamsohn hielt Sr. Johanna - Ruth Eichmann, eine enge Freundin von Rolf Abrahamsohn. Sie fand warme und bewegende Worte, die den alten Herren sichtlich berührten. In seiner Dankesrede betonte Rolf Abrahmsohn, wie sehr es ihn sein Leben lang schmerzt, dass er den Kindern, die mit ihm im KZ waren, damals nicht hat helfen können. “G’tt hatte wohl damals Urlaub, sonst wäre all das Morden und Verbrennen nicht geschehen” sagte Abrahmsohn mit dem ihm so eigenen Humor, und weiter: “Das alles, was ich erlebt habe , kann man nur erzählen mit etwas Humor - sonst wird man verrückt”.
Eigentlich wollte Rolf Abrahamsohn nach seiner Befreiung nach Palästina gehen. Als er jedoch erfuhr, dass er unter Umständen von den Engländern auf Zypern interniert werden könnte, entschied er sich, in Deutschland zu bleiben. “Die Jahre im KZ und im Arbeitslager waren doch genug, nie wieder wollte ich eingesperrt sein, und so blieb ich in Marl ” sagt Abrahamsohn nachdenklich. Man spürt, dass er seinen damaligen Entschluss zu bleiben, auch schon so manches mal bereut hat.
Rolf Abrahamsohn spricht im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen
Video: “Alles weiß Ich noch… und das ist das Schlimme daran”
Fotos Heike Jordan, Gelsenzentrum e.V.
Geschrieben in ... über den Tellerrand | Drucken | Keine Kommentare »
Wider dem Vergessen
17.11.2011 von Gelsenzentrum.
20. - 27. Januar 2012 - Woche der Erinnerung - Gelsenkirchener Lichter
70. Jahrestag der “Wannsee-Konferenz” - Auf der “Wannseekonferenz” vom 20. Januar 1942 kamen 15 hohe Vertreter von NS-Verfolgungsbehörden und Parteidienststellen zusammen, um den bereits begonnenen Holocaust an den Juden im Detail zu planen und zu organisieren. Unter den Teilnehmern war auch der Gauleiter von Westfalen-Nord und Reichsstatthalter Dr. Alfred Meyer, der in Gelsenkirchen als Repräsentant des NS-Regimes äußerst aktiv war. Als Stellvertreter des Reichsministers Alfred Rosenberg war Meyer vom Sommer 1941 bis November 1942 verantwortlich für die drei Hauptabteilungen Politik, Verwaltung und Wirtschaft. In dieser Eigenschaft beteiligte er sich an der Ausbeutung und Plünderung der besetzten sowjetischen Gebiete, der Unterdrückung und Ermordung ihrer Bewohner, besonders der jüdischen Bevölkerung. Auf der Wannsee-Konferenz forderte Meyer, “gewisse vorbereitende Arbeiten” jeweils an Ort und Stelle durchzuführen, ohne jedoch die Bevölkerung zu beunruhigen. In einem Schreiben von Juli 1942, schlug er vor, in der Sowjetunion gegen “jüdische Mischlinge” dieselben Maßnahmen wie gegen Juden zu treffen.
Am 27. Januar, der in vielen Ländern Europas vor dem Hintergrund der Befreiung des KZ Auschwitz als Internationaler Holocaust-Gedenktag zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus begangen wird, jährt sich zum 70. Male das Datum des ersten und größten Deportationstransportes von Menschen jüdischer Herkunft aus Gelsenkirchen in das Ghetto Riga.
Anlässlich dieser zeithistorischen Ereignisse zeigt Gelsenzentrum e.V. im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen im Rahmen der “Woche der Erinnerung” die Filme:
Nacht und Nebel
Als Mahnmal gegen das Vergessen entstand 1955, 10 Jahre nach der Auflösung der Konzentrationslager, unter der Regie von Alain Resnais der Film “Nacht und Nebel”. Er nimmt seinen Ausgang in den grün überwucherten Ruinen von Auschwitz und zeigt dann in einem Rückblick das Geschehen in den Todeslagern, die gnadenlose menschenverachtende Präzision der “Endlösung”. Dabei verbinden sich einprägsame Bilder mit der Musik Hanns Eislers und der künstlerischen Ausdruckskraft der Schriftsteller Jean Cayrol und Paul Celan (für die deutsche Bearbeitung), die beide den Holocaust überlebten, zu einem Dokument von erbarmungsloser Eindringlichkeit. Diese Qualität und sein Stellenwert als Warnung vor kollektiver Entmenschlichung im Zuge ideologischer Verblendung und politischer Diktatur verleihen dem Film eine zeitlose Aktualität. Regie Alain Resnais, Frankreich 1955 (32 Min.) Deutsche Fassung. FSK: 12 Jahre
Einführung (Vortrag): Hartmut Hering
19. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei - Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.
“Alles weiß ich noch… und das ist das Schlimme an der Geschichte”
Der 86-jährige Rolf Abrahamsohn aus Marl ist einer der wenigen Überlebenden des Holocaust, der noch aus eigenem Erleben von seinen Gewalterfahrungen unter dem Terrorregime der Nazis berichten kann. Was Rolf Abrahamsohn erzählt, ist spannend, ist aufregend, ist unglaublich - und leider wahr. Sichtlich zerrt die Erinnerung an seinen Kräften, wenn er von den Erlebnissen in der so genannten “Reichskristallnacht” berichtet oder von der Deportation am 27. Januar 1942 aus dem “Judensammellager” auf dem Gelsenkirchener Wildenbruchplatz in das Ghetto Riga. Als er vom gewaltsamen Tod seiner Mutter spricht, versagt dem alten Mann beinahe die Stimme. Abrahamsohn berichtet von seinem Leidensweg, der in die Konzentrationslager Kaiserwald, Stutthof und Buchenwald, in ein Außenlager von Buchenwald beim Bochumer Verein und weiter nach Theresienstadt führte, wo er schließlich befreit wurde. In Marl baute sich Rolf Abrahamsohn, dem am 17. November 2011 in Recklinghausen die Auszeichnung “Vestischer Ehrenbürger” verliehen wurde, nach seiner Rückkehr ein neues Leben auf. Videomitschnitt eines zeitzeugenschaftlichen Vortrages von Rolf Abrahamsohn am 27. Januar 2011 im Gauß-Gymnasium Gelsenkirchen. Eine Aufzeichnung von Jesse Krauß. (53 Min.)
26. Januar 2012 ab 19:00 Uhr im Kulturzentrum “die flora” in Gelsenkirchen, Florastraße 28. Der Eintritt ist frei - Um eine Spende für das Projekt Stolpersteine in Gelsenkirchen wird gebeten.
Gelsenzentrum - Gemeinnütziger Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen bereitet derzeit neben den “Gelsenkirchener Lichtern”, die im kommenden Jahr am 27. Januar wieder in der Gelsenkirchener Innenstadt auf dem Neumarkt entzündet werden sollen, weitere Aktionen zum aktiven Gedenken in der “Woche der Erinnerung” vor.
Vertreter interessierter Organisationen, Schulen, Vereine oder Verbände sind herzlich zum aktiven Mitmachen und Mitgestalten der “Woche der Erinnerung” aufgerufen. Infos per Email bei Gelsenzentrum e.V. - Verein für regionale Kultur- und Zeitgeschichte Gelsenkirchen oder unter Telefon 0209 9994676.
Geschrieben in Kultur Gelsenkirchen | Drucken | Keine Kommentare »
NS-Zeit: Juden im Umfeld des FC Schalke 04
13.11.2011 von Gelsenzentrum.
Stolpersteine in Gelsenkirchen - Gegen das Vergessen
Den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind, sollen Stolpersteine gewidmet werden. Die ersten Gedenksteine werden im Herbst 2012 verlegt.
Die Projektgruppe Stolpersteine hat Ende Januar 2011 beim Verein angefragt, ob man dort die Patenschaften für Stolpersteine übernehmen will, die den jüdischen Förderern, Funktionären und Spielern des FC Schalke 04 gewidmet werden, die in der NS-Zeit zu Opfern des Terrorregimes geworden sind. Ein erstes Gespräch zwischen der Geschäftsführung des Vereins und der Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen fand im Juni statt. Eine abschließende Antwort des Vereins steht derzeit aber noch aus.
Als der DFB (Deutscher Fußball Bund) im April 1933 den Ausschluss von Juden als Trainer und Funktionäre aus den Vereinen beschloss, “verabschiedete” auch der FC Schalke 04 ganz im Sinne der neuen Machthaber seinen 2. Vorsitzenden, den jüdischen Zahnarzt Dr. Paul Eichengrün ebenso wie den Leiter des Presseauschusses, Franz Nathan und andere “nichtarische” Funktionsträger. 1935 wurden dann auch die letzten jüdischen Mitglieder und Spieler aus dem Verein ausgeschlossen, sofern sie ihn bis dahin nicht bereits “freiwillig” verlassen hatten. Leopold “Leo” Jacobs spielte in einer der Juniorenmannschaften des FC Schalke. Er wurde im Januar 1942 nach Riga verschleppt, überlebte die KZ der Nazis und kehrte nach seiner Befreiung 1945 zunächst in seine Heimatstadt Gelsenkirchen zurück.
Nur allzu bereitwillig ließen sich auch der FC Schalke und seine Spieler ab 1933 auf das Unrechtsregime ein und profitierten dadurch auf vielfältige Art und Weise von den sich daraus ergebenden Vorteilen. So “kaufte” Fritz Szepan im November 1938 das Kaufhaus Rhode & Schwarz in Gelsenkirchen-Schalke zu einem außerordentlich günstigen Preis. Die so genannte “Arisierung” fand Eingang in die Stadtchronik, unter dem 5. November 1938 heißt es dort: “Das bisherige jüdische Kaufhaus Julius Rode & Co. ist in arische Hände übergegangen. Es wird geführt von Fritz Szepan, dem Schalker Mittelstürmer, der ein Spezialgeschäft für Textilwaren in den Verkaufsräumen eingerichtet hat.
Die ehemaligen jüdischen Inhaber des Kaufhauses am Schalker Markt, Sally Meyer und Julie Lichtmann, zum Verkauf gezwungen, wurden im Januar 1942 nach Riga deportiert und ermordet. Der Schalker Spieler Hermann Koriath konnte das Haus Margaretenstrasse 6 aus dem Besitz des jüdischen Bauunternehmers Max Ferse günstig “erwerben”. Max Ferse und seine Frau Antonie wurden 1942 in das Ghetto Riga verschleppt und dort ermordet.
Auch die frühen Förderer und Unterstützer des FC Schalke 04 jüdischer Herkunft waren der Diskriminierung und Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. So wurden beispielsweise der Metzgermeister August Kahn zusammen mit seiner Frau im Juli 1942 in das Ghetto Theresienstadt deportiert und dort am 11. Oktober 1944 ermordet, seine Frau starb bereits am 4. September 1942 in Theresienstadt, angeblich an Lungenentzündung. Der Metzgermeister Leopold Sauer wurde im Januar 1942 zusammen mit seiner Frau in das Ghetto Riga deportiert und im März 1945 in Rieben, einem Außenlager des KZ Stutthof, ermordet. Seine Frau Auguste wurde im Dezember 1944 im KZ Stutthof ermordet. Die Schwiegereltern des ehemaligen 2. Vorsitzenden Paul Eichengrün, Josef und Ida Schloßstein, wurden 1942 nach Theresienstadt deportiert. Joseph starb im Ghetto Theresienstadt, Ida Schloßstein wurde weiter in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt und dort ermordet. Die Recherchen zu Familie Goldblum, Siegmund Katzenstein, Dr. Fritz Levisohn (später Lenig), Arthur Herz und Ernst Alexander sind noch nicht abgeschlossen.
Geschrieben in Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen | Drucken | Keine Kommentare »
Erinnerung an die “Nacht der Schande”
11.11.2011 von Gelsenzentrum.
Gedenkveranstaltung in Gelsenkirchen
Ihren Auftakt nahm die Gedenkveranstaltung anlässlich des 73. Jahrestages der so genannten “Reichskristallnacht” an einem der Erinnerungsorte in Gelsenkirchen - die Erinnerungsorte sind ein Projekt der “Demokratischen Initiative” - am Südeingang des Hauptbahnhofs. Hier erinnert eine Tafel an die in der NS-Zeit aus Gelsenkirchen verschleppten und zum überwiegenden Teil ermordeten jüdischen Kinder und Jugendlichen. Professor Dr. Stefan Goch vom Institut für Stadt-geschichte betonte in seiner Ansprache, dass man auch in Zukunft weitere “Erinnerungsorte” errichten werde. Die Route des anschließenden Marsches “Gegen Hass und Gewalt” der “Demokratischen Initiative” zum Gedenken an die Opfer der so genannten “Reichskristallnacht” sorgte bei einigen TeilnehmerInnen für Verwunderung.
Fast konnte man den Eindruck gewinnen, dass die Veranstalter mit der gewählten Marschroute den im Bereich der Gelsenkirchener Innenstadt verlegten Stolpersteinen, die dort an das Leben, die Verfolgung und die Ermordung jüdischer Menschen erinnern, ausweichen wollten. Nach einem Halt an der Grasreiner/Klosterstraße, dort hielt Oberbürgermeister Baranowski eine Erinnerungsrede, ging es weiter zur Begegnungsstätte “Alter Betsaal” der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen an der Von-Der-Recke-Straße 9. Auch den vor dem gegenüberliegenden Haus verlegten Stolpersteinen, die an das von den Nazis ermordete jüdische Ehepaar Wollenberg erinnern, schenkte keiner der TeilnehmerInnen Beachtung. “Die Stolpersteine erinnern an Orte jüdischen Lebens, sie erinnern an Menschen, die Gewalt und Hass in Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 miterleben mussten, an Menschen, die in den Jahren danach zu Opfern der bis ins letzte Detail durchgeplanten NS-Vernichtungsmaschinerie wurden. Das Verhalten der Verantwortlichen kann ich nicht nachvollziehen” sagte Heike Jordan, Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen.
Bereits im Vorfeld hatte die Stolpersteininitiative öffentlich ihr Befremden darüber zum Ausdruck gebracht, dass die in Gelsenkirchen verlegten Stolpersteine nicht in die “offizielle” Gedenkveranstaltung der Stadt einbezogen werden. Auf die Frage nach dem “Warum” wollten am Abend weder Oberbürgermeister Baranowski in seiner Eigenschaft als Schirmherr der veranstaltenden “Demokratischen Initiative” noch Judith Neuwald-Tasbach, Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Gelsenkirchen, eine Antwort geben.
→ Stolpersteine Gelsenkirchen - Gemeinsam gegen das Vergessen
Geschrieben in Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen | Drucken | Keine Kommentare »
9. November 2011 - Gedenken an die Pogrome in der “Kristallnacht”
2.11.2011 von Gelsenzentrum.
Gedenken der Toten und der Lebenden
Am 9. November 2011 jährt sich zum 73. Mal die so genannte “Reichskristallnacht”. Die Ereignisse in dieser Nacht markierten einen weiteren Höhepunkt der stetig zunehmenden Diskriminierung der Juden im Alltag. Auch in Gelsenkirchen brannten in der Nacht vom 9. auf den 10. November Synagogen und Geschäfte, waren Menschen jüdischer Herkunft brutaler Gewalt ausgesetzt, wurden erniedrigt, gedemütigt, vergewaltigt, verhaftet und verschleppt. Wie viele von ihnen später an den Folgen der erlittenen Misshandlungen oder den Haftfolgen starben, ist heute nicht mehr feststellbar.
In unserer Stadt erinnern 28 von 41 bisher verlegten Stolpersteinen an die Leidenswege und die Ermordung jüdischer Menschen durch das NS-Regime. “Jeder dieser 28 Stolpersteine erinnert an einen Menschen, der auch von den Angriffen gegen Leib und Leben in der Pogromnacht betroffen war. Wir hätten uns gewünscht, dass die Stolpersteine mit in die offizielle Gedenkveranstaltung der Stadt Gelsenkirchen einbezogen worden wären, führt doch die Wegstrecke des von der “Demokratischen Initiative” geplanten Schweigegangs auch an einigen Stolpersteinen vorbei” so die Projektleiterin der Stolpersteine Gelsenkirchen, und weiter: “Wir rufen Gelsenkirchener Bürgerinnen und Bürger auf, an den im Stadtgebiet verlegten Stolpersteinen am Abend des 9. November Kerzen aufzustellen und zu entzünden”.
Von den Gelsenkirchener Juden, die den 9. November 1938 miterleben mussten, haben die wenigsten den Holocaust überlebt. Die Leidenswege der hochbetagten Überlebenden der NS-Vernichtungsmaschinerie, die heute weltweit verstreut leben, sollen am 9. November im Mittelpunkt unseres Gedenkens stehen. “Die zum Leben Verurteilten sind die wahren Opfer des Holocaust. Die Toten sind schon zur Ruhe gekommen” sagte einst die Holocaust-Überlebende Batja Gurfinkel, “Der Schmerz wird mit den Jahren nicht weniger, eher stärker.”
Quelle: Presse- und Medienmitteilung der Projektgruppe Stolpersteine Gelsenkirchen
→ Gedenken und Erinnern an die Opfer der so genannten “Reichskristallnacht”
Geschrieben in Arbeitskreis Stolpersteine Gelsenkirchen | Drucken | Keine Kommentare »

